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InaiMathi Blog

Forza Horizon

Forza Horizon - © Microsoft Studios

Wer auf der Suche ist nach einer realistischen Rennsimulation für die Xbox 360, kommt um die „Forza Motorsport“-Reihe nicht herum. Die vom US-Entwicklerstudio Turn 10 Studios für Microsofts Xbox-Konsole entwickelte Rennspielserie vereint einen riesigen Fuhrpark, superbe Fahrphysik, sowie eine hammer Optik zu einem Rennspielerlebnis, welches das Herz eines jeden Autoliebhabers mit Konsole im Wohnzimmer höher schlagen lässt! Inzwischen hat die „Forza Motorsport“-Serie sogar Sonys“Grand Turismo“-Franchise den Rang abgelaufen. Sowohl von den Verkaufszahlen her, als auch was das eigentliche Gameplay anbelangt, – und das will schon etwas heißen!

Am 23. Oktober erschien mit „Forza Horizon“ das erste Spin-Off des „Forza Motorsport“-Franchise, welches nicht nur erstmals nicht direkt von Turn 10, sondern vom britischen Studio Playground Games verantwortet wird, und sich in einigen Punkten von den lange Jahre gehegten und gepflegten Tugenden der ursprünglichen „FM“-Serie unterscheidet: Der wichtigste und auch auffälligste Punkt wäre die Tatsache, dass „Horizon“ in einer offenen frei befahrbaren Welt spielt, die den Spieler größtenteils schalten und walten lässt, wie es ihm (oder ihr) beliebt. Auch am Fahrverhalten der erneut hoch detaillierten Rennkarossen hat sich etwas getan: Während die „FM“-Serie insbesondere Simulations-Puristen und jene Spieler bedient, die Wert legen auf möglichst schraubengenauen Realismus, schlägt „Forza Horizon“ einen etwas anderen Weg ein und vereint die Zugänglichkeit eines anspruchsvolleren Arcade-Racers mit den Simulations-Aspekten der „Forza“-Serie. Doch dazu später mehr.


Es folgt meine ausführliche Spielereview zu „Forza Horizon“ für Xbox 360 von Turn 10 Studios und Playground Games, welche die brennende Frage beantworten soll, ob sich der Umstieg in die etwas seichteren, für gewöhnlich von der „Need For Speed“-Reihe und dem „Test Drive Unlimited“-Franchise bestens bedienten Arcade-Gefilde gelohnt hat, oder ob es sich bei „Horizon“ eher um einen kapitalen Kolbenfresser handelt…

Forza Horizon
2012, Rennsimulation
Turn 10 / Playground Games / Microsoft Studios
www.ForzaMotorsport.net

Spieletrailer

Beschreibung
„Die Kombination aus der authentischen ‚Forza‘-Atmosphäre und den Freiheiten einer offenen Spielwelt macht ‚Forza Horizon‘ zu einem intensiven Rennspielabenteuer. Mit seinen weitläufigen Landschaften, waghalsigen Fahrmanövern, einem treibenden Soundtrack und umfangreichen Tuningmöglichkeiten bietet ‚Forza Horizon‘ eine völlig neue Spielerfahrung, ohne dabei den Realismus, die Abwechslung und die Innovationen, welche die ‚Forza‘-Serie seit jeher auszeichnen, aus den Augen zu verlieren.“ – Quelle

Kritik
Was viele nicht realisieren, verstehen wollen oder was auch immer: „Forza Horizon“ ist nicht „Forza Motorsport 5“, sollte dies nie werden und wird es nicht sein! Wie auch? Schließlich erschien „Forza 4“ erst vor gerade einmal einem Jahr, was ein direktes Sequel äußerst unwahrscheinlich macht, und als Publisher fungiert zudem nicht Electronic Arts, wo man – wie allgemein bekannt ist – immer darum bemüht ist, seine Cash-Cows so lange zu melken, bis die Geschmacksnote der Milch merklich ins blutige abdriftet. Nein, „Forza Horizon“ ist vielmehr ein Spin-Off der vielfach prämierten „Forza Motorsport“-Serie, das erste wohlgemerkt, und will ausdrücklich die nicht mehr ganz so grüne Rennstrecke verlassen und schlicht anders sein als alles bisher dagewesene. Und dieses anders sein fängt bereit mit dem Entwicklerteam an: So zeichnet nicht mehr wie im Falle der bis dato vier Vorgänger Turn 10 Studios für die Entwicklungsarbeit an dem Rennspiel verantwortlich, sondern die in London beheimateten Jungs und Mädels von Playground Games. Bevor jemand aufschreit: Turn 10 Studios hat nicht etwa die Arbeit einstellt oder wurde gar von Eigentümer Microsoft Studios aufgelöst, sondern befindet sich vielmehr am Anfang der Entwicklungsarbeiten zu – ja, richtig! – „Forza Motorsport 5“, wie man unter anderem diesem Stellengesuch auf der offiziellen Website des Studios entnehmen kann.

Überhaupt unterscheidet sich „Forza Horizon“ sichtlich von der ursprünglichen „Forza Motorsport“-Reihe: Klickte man sich in den bisherigen Serienteilen durch ellenlange sterile Menüs, bis irgendwann der eigene Traumwagen samt passender Rennstrecke gesucht und gefunden waren, so geht dies in „Horizon“ grundlegend anders von statten: Der Titel wirft den Spieler direkt nach dem Start hinein in eine herunterskalierte, von ihren Dimensionen her allerdings immer noch ziemlich riesige Version des US-Bundesstaats Colorado. Dort findet – zumindest im Spiel – das Horizon-Festival statt, wo angesagte Musik auf pfeilschnelle Sportwagen trifft. Und genau an diesem Festival nimmt der Spieler im Verlauf der Einzelspieler-Kampagne teil. Ja, richtig gehört: Kampagne! „Forza Horizon“ versucht das, woran einst schon der legendäre „DTM Race Driver“ von Codemasters grandios gescheitert ist: Nämlich einem Rennspiel so etwas wie eine fortlaufende Handlung zu spendieren!
Der namenlose Autonarr, welcher im Spiel als Alter Ego des Spielers herhalten muss, wird gleich zu Spielbeginn durch einen Spot im zufällig laufenden Autoradio auf das Festival aufmerksam, und als es dann noch heißt, dass die Veranstalter an die ersten zehn Raser, die mit ihren Karren bei der Anmeldung auftauchen, Festival-Wildcards vergibt, lässt er sich natürlich nicht zweimal bitten und rast los. Von da an heißt es nur noch: Vollgas geben – und möglichst als erster Fahrer die Ziellinie sehen! Das gestaltet sich mit dem anfänglichen VW Polo schwerer als man annehmen möchte. Doch sind erst einmal ein paar Rennen gefahren, wird man sich der lahmen Karre schnell entledigt haben…

Die Entscheidung, an welchen Events man teilnimmt und welche man hingegen links liegen lässt, überlässt einem das Spiel selbst: Wo aktuell Rennen abgehalten werden, wird auf der riesigen Weltkarte, die per Tastendruck aufgerufen werden kann, per unmissverständlichem Icon angezeigt. Ob einem nun der Sinn nach einem kurzen Sprint-Rennen von Punkt A nach Punkt B steht oder man sich lieber bei der Hatz über einen extra abgesteckten Rundkurs austoben möchte, ob nun Offroad durchs Gelände oder ein nächtliches illegales Straßenrennen (ohne Mitwirken der örtlichen Bullerei, wohlgemerkt…) über die schier endlosen Highways von Colorado, – hier dürfte jeder fündig werden!
Im Dezember 2012 soll zudem ein kostenpflichtiges Rally-Expansion Pack, bzw. DLC erscheinen, welches „Forza Horizon“ um Rallye-Rennen und entsprechend getunte Rallye-Wagen erweitert. Zudem gibt es spezielle  Sponsoren-Events, welche beispielsweise solch witzige Herausforderungen bereit halten wie ein Wettrennen gegen einen riesigen Heißluftballon, oder ein andermal gilt es, das Ziel vor einem pfeilschnellen Helikopter zu erreichen. Sollte es einem gelingen, aus diesen ganz besonderen Herausforderungen als Sieger hervorzugehen, wird einem der vom Sponsor gestellte Wagen, mit dem das Event bestritten wurde, sogar geschenkt. – Nett!

Nach erfolgreichem Abschluss eines Laufs werden dem Spieler in der Regel haufenweise Credits und Festival-Punkte auf seinem Konto gutgeschrieben. Wieviele genau, hängt von der im Event erfahrenen Position sowie vom eingangs ausgewählten Schwierigkeitsgrad ab, auf dem man unterwegs ist. Außerdem davon, ob es einem gelungen ist, seinen jeweiligen Hauptrivalen im Rennen hinter sich zu lassen.
Mit erspielten Credits lassen sich im Autosalon auf dem Festivalgelände weitere fahrbare Untersätze kaufen, welche einem fortan in seiner Garage zur Ausfahrt zur Verfügung stehen. Oder aber man investiert die Scheinchen in Upgrades wie zum Beispiel einen stärkeren Motor mit mehr Pferdestärken, in bessere Kupplung und Getriebe, neue Reifen, ein optimiertes Aerodynamik-Paket und und und. Wer behauptet, in „Forza Horizon“ gäbe es keine Möglichkeit, seine Autos zu tunen, der hat sich entweder nicht wirklich eingehend mit dem Spiel beschäftigt oder ist schlicht blind!
Die Anzahl der erfahrenen Festival-Punkte entscheidet wiederum, an welchen Veranstaltungen des Horizon-Festivals man teilnehmen darf, bzw. welche überhaupt freigeschaltet sind. Hat man so viele Punkte gesammelt, dass es für ein neues Festival-Armband reicht, darf man sich dieses bei der Race Control abholen und sich darüber hinaus auf massenweise neue Rennen mit tendenziell schnelleren Wagen und härteren Opponenten freuen. Festival-Punkte lassen sich ausnahmslos bei offiziellen Horizon-Veranstaltungen erfahren, wer also laufend bei illegalen Straßenrennen unterwegs ist, verdient zwar eine Menge Kohle für neue Karren, doch im Spiel sonderlich voran bringt einen dies nicht.

Apropos Zahlungsmittel: In „Forza Horizon“ sind erstmals im Franchise auch Microsoft Points-Transaktionen möglich. Soll heißen: Will man sich ein bestimmtes Auto unbedingt kaufen, hat allerdings keine Lust damit zu warten, bis man die dafür nötigen zwei Millionen Credits zusammengespart hat, so kann man sich das Objekt seiner Begierde auch bequem für MS-Points kaufen. Ob das nun zwingend nötig ist oder nur schnelle Geldmache seitens Microsoft sei mal dahingestellt.

In „Forza Horizon“ sind jedoch nicht nur allein Credits und Festival-Punkte wichtig, sondern auch die Art und Weise, wie diese erfahren wurden. Je spektakulärer die Fahrweise, die man während der diversen Rennen und Events an den Tag legt, desto höher steigt man mit der Zeit in der Gunst der Zuschauer. Ging es in der „Forza Motorsport“-Serie noch einzig und allein darum, möglichst clean den Sieg einzufahren, sollte man in „Horizon“ gelinde gesagt „drauf scheißen“ und sein Gefährt möglichst halsbrecherisch von A nach B bewegen. Ob nun haarstreubende Überholmanöver samt Lackaustausch, exzessives Fahren im Windschatten des Gegners, spektakuläre Drifts oder hohe und weite Sprünge, das lässige Fahren auf zwei Rädern (ob nun gewollt oder, öhm, ungewollt…), – alles wird mit entsprechenden Ruf-Punkten goutiert, schön visualisiet durch einen kleinen Counter am oberen Bildschirmrand. Wer spektakuläre Kombo-Ketten in Form von mehreren aufeinander folgenden Manövern hinlegt, schraubt seinen Kombo-Multiplikator immer weiter in die Höhe, was in der Endabrechnung den gutgeschriebenen Ruf nochmals steigert. Und: Dieser Ruf ist ebenfalls enorm wichtig, wenn es darum geht, auf der Weltkarte neue Rennen und Events freizuschalten. Es empfiehlt sich also, seine aus „Forza 4“ gewohnte Fahrweise auf dem Parkplatz abzustellen und möglichst aufsehenerregend über Colorados Pisten zu brettern, um nicht nur bei den Zuschauern, sondern insbesondere auch bei den Veranstaltern des Festivals immer beliebter zu werden!

Hat man einmal keine Lust auf knallharte Rennaction, so steht es einem jederzeit frei, sich seinen Wunschwagen zu schnappen und mit diesem gemütlich durch die Gegend zu cruisen. Das riesige Straßennetz, welches Playground Games ins Spiel eingebaut hat, bringt es auf eine Gesamtlänge von weit über einhundert Kilometer. Die Strecken für ausgiebige Cruising-Tour dürften einem also so schnell nicht ausgehen. Schnell fällt auf: „Forza Horizon“ ist ein wahrer Hingucker: Die einzelnen Autos im Spiel wurden mit so vielen Polygonen gestaltet, dass selbst die eh schon detaillierten Karossen in „Forza Motorsport 4“ im direkten Vergleich relativ altbacken ausschauen. Jedes kleinste Detail wurde ins Spiel übertragen, selbst die Innenräume der Wagen samt der Arme des namenlosen Fahrers haben nochmal eine Extraladung Herzblut spendiert bekommen und präsentieren sich nun so schön ausmodelliert wie noch nie zuvor in einem Titel der „Forza“-Reihe!
Doch damit nicht genug: Die kilometerlangen Straßen zwischen offenem Weideland hindurch, in Form von haarscharfen Serpentinen an Bergrücken entlang, vorbei an atemberaubenden Canyons in deren Bett sich Flüsse entlangschlängeln, durch vereinzelte kleine Siedlungen und Städte sehen einfach fantastisch aus! Die stets knallige Sonne sorgt am Tag für eine warme Ausleuchtung der Szenerie, bei Nacht (ja, „Forza Horizon“ bietet erstmals einen dynamischen Tag-und-Nacht-Wechsel!) wird die Welt in tiefstes Schwarz getaucht und nur dann und wann mal von den Scheinwerfern der zig Supersportwagen aufgehellt, die unbeirrt ihre Runden drehen. Und auch die Welt präsentiert sich keineswegs steril: So sind auf den Highways und Landstraßen stets auch unbeteiligte Autofahrer unterwegs, überall wurden von den Entwicklern logisch Verkehrszeichen platziert und den größeren Städten im Spiel wurde sogar ein tatsächlich funktionierendes Ampelsystem spendiert. Hier und da finden sich Raststätten am Wegesrand, die – wenn einem der Sinn danach steht – kräftig aufgemischt werden können. In Wälden lässt sich Wild beim Grasen beobachten und ganze Vogelschwärme fliehen aufgeschreckt durch die röhrenden Motoren gen Himmel. Ausladende Parkplätze laden zu gepflegten Driftsessions ein, Offroad-Strecken abseits der befahrenen Straßen führen an noch entlegenere Aussichtspunkte, die oftmals nicht mal auf der Weltkarte verzeichnet sind. Es lohnt sich also durchaus, sich ab und zu mal eine Pause zu gönnen und sich auf Entdeckertour zu begeben!
Ein kleiner Kritikpunkt sind die an den meisten Stellen in der Spielwelt leider nicht zerstörbaren Zäune und Absperrungen am Straßenrand. Wie großartig wäre es, könnte man auch diese freien Flächen frei befahren! Aber klar, dies war eine durchaus nachvollziehbare Designentscheidung, schließlich soll man sich mit seinem fahrbaren Untersatz vornehmlich auf der Straße bewegen und nicht querfeldein durch’s Gelände brettern. Hier und da sind jedoch Stellen vorhanden, an denen es zumindest möglich ist, Holzzäune zu Kleinholz zu verarbeiten. Diese Stellen lassen sich während eines Rennens dann oftmals auch geschickt als Abkürzung zweckentfremden. Allerdings wirkt dies auf mich ein wenig aufgesetzt und erzwungen.

Unterwegs stößt man immer wieder einmal auf Geschwindigkeitsblitzer und so genannte Geschwindigkeitszonen, die für spielerische Abwechslung sorgen. Das Prinzip der Blitzer sollte jedem bekannt sein, der schon einmal wegen überhöhter Geschwindigkeit von seiner Stadt mit einem oder mehreren Briefen bedacht worden ist. Nur gilt es in „Forza Horizon“ nicht etwa zu vermeiden geblitzt zu werden, sondern ganz im Gegenteil: Je schneller durch die Radarfalle geheizt wird, desto höher findet man sich am Ende in der weltweiten Rangliste wieder und umso mehr kann – wer’s braucht – man vor seinen Freunden mit seiner tendenziell halsbrecherischen Fahrweise protzen. Die Geschwindigkeitszonen folgen einem ähnlichen Prinzip, nur dass nicht die punktuelle Geschwindigkeit gemessen wird, sondern vielmehr die Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen der Ein- und Ausfahrt in, bzw. aus der Zone, was in der Regel einer Fahrstrecke von mehrere n hundert Metern entspricht.
Immer mal wieder passiert man so genannten Festival-Außenposten, die überall im Bundesstaat aufgeschlagen wurden. Hier hat man die Möglichkeit, sich speziellen Aufgaben anzunehmen, deren spätere Absolvierung einem wiederum diverse Vergünstigungen einbringen. Mal gilt es besonders zügig durch eine bestimmte Radarfalle zu brettern, mal soll ein bestimmter Sportwagen möglichst undemoliert und kratzerfrei zu einem besondern szenischen Spot in Colorado bugsiert werden und ihn dort für ein Magazin abzulichten. Das Foto schießt man übrigens selber! Ein andermal gilt es, innerhalb eines knappen Zeitlimits durch eine möglichst spektakuläre Fahrweise so und so viele Rufpunkte zu sammeln. – Im Prinzip sind die Außenposten eine nette Idee, dem Spiel auch abseits der Race Central einen gewissen Sinn zu geben. Langfristig gesehen sind die Herausforderungen jedoch nichts, was mich auf Dauer fesseln würde. Dafür sind die gestellten Aufgaben selbst im höchsten Schwierigkeitsgrad zu anspruchslos.

Apropos Race Central: Diese befindet sich ziemlich exakt im Zentrum des gigantischen Festivalgeländes und dient als erste Anlaufstelle, wenn’s um neue Armbänder und weiteren organisatorischen Kram rund um seine Rennfahrer-Karriere geht. Darüber hinaus lassen sich dort auch bereits gefahrene Rennen und Festival-Events noch einmal starten, ohne diese erst langwierig auf der Weltkarte ansteuern zu müssen. Oder aber man blättert sich durch stetig wechselnde Rivalen-Herausforderungen, die man von anderen Spielern oder aber seinen Freunden auf Xbox LIVE gestellt bekommt.
Gleich nebenan befinden sich weitere Stationen, die jederzeit angefahren werden können: Als da wären u.a. Duc’s Werkstatt, wo man die Karossen seines Fuhrparks aufrüsten lassen kann, der Autosalon, in dem einige der wunderschönsten Autos und Sportwagen der Welt auf einen Käufer warten, der Xbox LIVE-Marktplatz, auf dem man beispielsweise für Microsoft Points neue Inhalte für „Forza Horizon“ kaufen kann, ein Paint-Shop, um seinen Karossen einen individuellen Touch zu verleihen, sowie ein spezieller Bereich, in dem es möglich ist, sich mit Freunden und anderen Spielern zu rasanten Onlinerennen zu verabreden. Letzteres setzt jedoch eine kostenpflichtige Xbox LIVE Gold-Mitgliedschaft voraus.
Besagter Duc verkauft seine Tuningteile und Dienstleistungen übrigens nicht für lau. Naja, jedenfalls bis man auf die glorreiche Idee kommt, sich einem weiteren Minigame im Spiel zu widmen und sich auf die Suche nach den überall in Colorado verteilten (und teilweise auch ziemlich tricky versteckten) Rabattschildern zu machen. Von denen gibt es genau einhundert an der Zahl, je umgemähtem Schild gewährt Duc dem Spieler 1% Rabatt auf alle Tuning-Teile in seinem Sortiment. Das klingt nicht nur unlogisch, sondern ist es auch. Kümmert aber nicht weiter, denn die Schilder sind trotz einiger guter Verstecke relativ schnell gefunden und so darf man sich schon sehr bald auf kostenlose Upgrades freuen.
Übrigens: Der Werkstatt sollte man auch im Fall eines Scheunenfunds einen Besuch abstatten. Der entdeckte Wagen wird nämlich stets von Duc restauriert (der mann ist einfach ein Autoliebhaber vor dem Herrn!) und kann nach kurzer Wartezeit zur ersten Testfahrt abgeholt werden.

Ach, wo wir gerade von „Test Drive“ reden: Im Vorfeld des Releases von „Forza Horizon“ wurde von einigen Leuten und angeblichen Rennspiel-Experten so unfassbar viel Müll über die angebliche Arcade-Fahrphysik des Titels geschrieben, dass ich mich quasi dazu verpflichtet fühle, diesem brisanten Thema einen eigenen Absatz zu widmen.
Zu allererst: „Forza Horizon“ ist ausdrücklich kein Arcade-Racer! Ja, die Fahrphysik ist zugänglicher und im Grenzbereich deutlich verzeihender als sie es noch in „Forza 4“ war. So ziemlich alle im Spiel vertretenen Autos nennen die Tendenz zum Übersteuern, also am Kurveneingang nervös mit dem Heck auszubrechen, ihr Eigen, was standesgemäß insbesondere exzessiven Drift-Junkies entgegen kommen dürfte, jedoch nicht solchen Spielern, die gerne ihre Streckenbestzeiten im Hundertstel- und Tausendstel-Bereich abschleifen. Auch die vielen verschiedenen Untergründe, auf denen die einzelnen Festival-Events stattfinden, viele davon wechseln sogar während eines einzelnen Rennens mehrmals durch, wirken sich realistisch auf das Fahrverhalten des Wagens aus: So baut sich auf griffigen Asphaltstraßen logischerweise immens viel mehr Grip auf als im staubigen Gelände abseits der Straße. Ach, und von störendem Ballast wie der Simulation der Reifentemperatur, deren Verschleiß sowie dem Benzinverbrauch haben die Entwickler sich genauso getrennt wie von den optional zuschaltbaren Live-Telemetrie-Datenblätter. Wurde alles zugunsten der Zugänglichkeit gestrichen! Schade, aber nachvollziehbar. Oh, und da in Colorado anscheinend stets bombiges Sommerwetter herrscht, gibt es auch keine Regenrennen, bzw. Veranstaltungen, die auf nassem Terrain stattfinden. Wäre sicherlich interessant gewesen, wie die Physikengine damit klargekommen wäre, aber vielleicht wird dieses Feature ja mit dem oben thematisierten Rallye-DLC nachgeliefert? Regenrennen und Rallye – passt schließlich gut zusammen!
Die Steuerung ist ganz klar auf die Eingabe via Xbox 360-Controller ausgelegt und von den Entwicklern nicht speziell hinsichtlich eines eventuell vorhandenen Racing Wheels optimiert worden, wie das noch bei „FM4“ der Fall gewesen ist. Nichtsdestotrotz lässt sich das Spiel mit beiden Eingabemethoden gut steuern, wobei sich mit dem Gamepad tendenziell die flotteren Rundenzeiten in den Asphalt brennen lassen.
Noch einmal: Gesteigerte Zugänglichkeit und der dezent verschobene Fokus hin zu actionreicheren Rennen hat rein gar nichts mit Arcade zu tun und noch viel weniger mit einer abgespeckten Simulation! „Horizon“ spricht als actionlastiges Spin-Off der hochgelobten Originalserie schlicht und ergreifend eine etwas breitere Zielgruppe an, als noch die beinharten und in gewisser Hinsicht auch ziemlich knochentrockenen Vorgänger. Und zwar Gamer, die sich ans Steuer setzen, das Gaspedal durchtreten und einfach ein bisschen Spaß haben wollen, ohne zuvor Stunden in die Abstimmung und das Tuning des Wagens investieren zu müssen, um auch nur den Hauch einer Chance auf den Sieg zu haben. „Forza Horizon“ lässt die bisherigen Grenzen zwischen Arcade und Simulation gekonnt und äußerst lässig verschmelzen. Es in eine Kategorie mit klassischen Arcade-Racern wie beispielsweise „Need For Speed“ oder „Burnout“ zu stecken, wie es einige tun, wäre absolut vermessen. Nicht falsch verstehen: Beide Games machen definitiv Spaß, jedoch hat das Fahrverhalten der getunten Supersportwagen dort nicht wirklich was mit dem eines realen Autos zu tun. Nicht so bei „Forza Horizon“: Hier trifft exzessiver Fahrspaß auf Simulation. Und das in Reinkultur!

Exklusiver Leserservice auf InaiMathi.de: Wie sich der Simulationsmodus von „Forza Horizon“ freischalten lässt, so dass sich die Rennen auf den staubigen Highways von Colorado noch eine Spur authentischer anfühlen, habe ich an dieser Stelle ausführlich beschrieben.

Aufgespürte Scheunenfunde und andere besondere Ereignisse in der Spielwelt, wie zum Beispiel die Abholung eines neuen Armbands bei der Race Control oder das eingangs geschilderte Story-Intro, werden vom Spiel in ansprechenden Rendersequenzen in Szene gesetzt. Das ist zwar im Grunde eine nette Idee und passt auch hervorragend zum Anspruch der Entwickler, mit „Horizon“ so etwas wie eine Geschichte zu erzählen. Doch irgendwann, so nach ein paar durchgespielten Stunden, geht den Zwischensequenzen so ein bisschen die Puste aus. Irgendwann hat man sie schlicht und ergreifend alle gesehen. Ähnliche Sequenzen, allerdings in Spielegrafik realisiert, finden sich auch unmittelbar vor dem Start eines Events: So bekommt man von seinem Rivalen bevor die Ampel auf Grün umspringt noch den ein oder anderen markigen Spruch vor den Kopf geknallt, was ebenfalls grundsätzlich nett gemeint ist, aber irgendwann einfach nur noch nervt, da sich das Geblubbere einfach relativ schnell wiederholt.

Ansonsten sind sowohl die grundlegende Vertonung als auch die finale Soundabmischung des Spiels wirklich herausragend und genreweit unangefochten! Jeder einzelne Wagen hat – natürlich – einen einzigartigen authentischen Motorensound spendiert bekommen, welcher vom echten Motor aufgenommen und ins Spiel übertragen wurde. Alles klingt absolut real: Schalten, Kuppeln, Gas durchtreten um einen zünftigen Burnout hinzulegen, quietschende Reifen in zu eng genommenen Kurven… – ein wahrgewordener Traum für jeden PS-Junkie!
Für ein Action-Rennspiel ebenfalls immens wichtig: die Musik! Und so wurden nach “GTA”-Vorbild drei verschiedene Radiosender ins Spiel eingebaut, von denen jeder einen grundlegend anderen Musikgeschmack bedient. Von Rock und Pop, über Chill-Out bis hin zu House-Musik sind einige verschiedene Genres vertreten. Auf Wunsch kann die Musikuntermalung auch komplett ausgeschaltet werden, um sich voll und ganz dem verlockend dröhnenden Sound der Motoren hingeben zu können.


All jenen Gamern, die nicht nur eine Xbox 360 im heimischen Wohnzimmer stehen haben, sondern darüber hinaus auch einen von Microsoft stylischen Kinect-Bewegungssensoren und eventuell sogar ein Smartphone (war hat heutzutage keins?) oder iPad, bietet „Forza Horizon“ zudem mehrere Möglichkeiten, beide Geräte ins Gameplay mit einzubeziehen.
So können Kinect-Besitzer GPS-Routen bequem per Stimme festlegen, anstatt diese – zwar nicht umständlich, aber dennoch zeitaufwendiger – über die Weltkarte einstellen zu müssen. Das Kommando: „GPS – Nächstes… – Festivalrennen“ sucht etwa die schnellste Route zum nächstgelegenen Festival-Veranstaltung in der Nähe heraus und stellt diese auf Wunsch im GPS ein.
Wer hingegen ein Smartphone, iPad oder sonstigen Tablet-PC sein Eigen nennt und auf diesem die Xbox Smartglass-App von Microsoft installiert hat, kann auf diesem zum Beispiel die Weltkarte von „Forza Horizon“ permanent einblenden lassen und auf dieser sogar neue Routen planen oder sich einfach ein paar Infos zur Umgebung, durch die man mit seinem Wagen gerade brettert, anschauen.
Beides, sowohl die Kinect-Tntegration als auch die Smartglass-features, sind wirklich nette Gimmicks, zwingend nötig für den ultimativen Spielspaß sind beide jedoch nicht!

Fazit
„Forza Horizon“ ist eine Spielwiese für jeden Autonarren mit einer Xbox 360 im Wohnzimmer, und bietet ein Rennsport-Erlebnis, wie es die Konsolenwelt bis dato noch nicht gesehen hat. Turn 10 Studios und Playground Games haben es geschafft, die Lässigkeit eines Arcade-Racers wie „Need For Speed“ mit dem Anspruch einer knallharten Simulation wie „Forza Motorsport“ zu vereinen, ohne jedoch das Spiel in die einer Simulation allgemein hin anhafteten Sterilität verfallen zu lassen. „Horizon“ ist der kleine wilde Bruder von „Forza Motorsport“, der sich aufmacht, die große weite Welt für sich zu entdecken – und ein echter Schönling noch dazu! – Eindeutige Kaufempfehlung für diese Ode an die Autokultur!

— InaiMathi, am 22. November 2012

Forza Horizon

Genre: Rennsimulation
Release: 2012
Spielzeit: 30 Stunden
Publisher: Microsoft Studios
Entwicklerstudio: Turn 10 Studios / Playground Games
Wertung
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