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InaiMathi Blog

Feuchtgebiete

Feuchtgebiete - © DuMont / Ullstein Verlag

An „Feuchtgebiete“ scheiden sich die Geister: Die einen halten den Debütroman der „kleinen, versauten Engländerin“ (O-Ton Harald Schmidt) Charlotte Roche für das größte Geschenk an die Menschheit seit der Erfindung der Anti-Baby-Pille, da er das auch heute noch viel zu oft tabuisierte Thema Sex in schonungsloser Offenheit in den Mittelpunkt rückt, seine zahlenmäßig weit überlegenen Kritiker wiederum tun ihn aufgrund der in ihren Augen nicht wirklich schicklichen Thematik schlicht als abartig ab und werfen der Autorin vor, durch Sex und plumpen Ekel schocken zu wollen. Da ich Charlotte Roche persönlich sehr schätze, wollte ich mir nun, gute drei Jahre nach der Veröffentlichung und ein knappes Vierteljahr bevor der inoffizielle Nachfolger „Schoßgebete“ erscheint, endlich mal selber ein Bild machen. Es folgt meine Rezension…

Feuchtgebiete
von Charlotte Roche
2008, Unterhaltung, 224 Seiten
DuMont Buchverlag / Ullstein Verlag

Die Autorin
Charlotte Roche, 1978 in High Wycombe, England geboren, war Moderatorin u.a. für VIVA, 3sat und das ZDF und wurde mit dem Grimme-Preis sowie dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. 2008 veröffentlichte sie ihren ersten Roman, „Feuchtgebiete“, der mit seiner radikalen Offenheit eine gesellschaftliche Debatte auslöste und zum erfolgreichsten Buch des Jahres avancierte. Roche lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Köln.

Klappentext
Nach einer missglückten Intimrasur liegt die 18-jährige Helen auf der Inneren Abteilung von Maria Hilf. Dort widmet sie sich jenen Bereichen ihres Körpers, die gewöhnlich als unmädchenhaft gelten… – Quelle

Der erste Satz

„Ich halte sehr viel von der Altenpflege im Kreise der Familie.“

Kritik
Um es gleich vorweg zu nehmen: Mir haben die „Feuchtgebiete“ eine Menge Spaß gemacht! Ich weiß gar nicht, wie lange es her ist, dass ich ein Buch so dermaßen zügig und in einem Rutsch durchgelesen habe! Die lediglich 224 Seiten lange oder besser gesagt kurze Geschichte ist simpel gestrickt – und noch simpler geschrieben. Letzteres fällt insofern negativ auf, als dass annähernd jeder Satz mit „Ich…“ eingeleitet wird, was zwar das Lesetempo enorm steigert, mit der Zeit jedoch zu dezenter Unterforderung führt. Literarische Schmankerl-Formulierungen? Fehlanzeige! Stattdessen wirkt „Feuchtgebiete“ vom Stil her als hätte Helen, die Protagonistin mit den diversen analen Problemchen, ihre teils recht wirren Gedanken mal eben schnell auf eine alte Papierserviette aus der Krankenhauscafeteria gekritzelt, während sie nebendran mit etwas anderem beschäftigt war.

Die zugrunde liegende fissuresque Thematik mag – oberflächlich betrachtet – sicherlich ekelhaft erscheinen. Das ist sie zweifelsohne auch, insbesondere dann, wenn Details, die man eigentlich gar nicht wirklich wissen will, mit einer Akribie und Detailgenauigkeit beschrieben werden, die ihresgleichen sucht! Beispiele spare ich mir an dieser Stelle einfach mal. Mit der Zeit wird einem jedoch immer mehr bewusst, dass Roche durch diesen Stil nicht nur schocken wollte, sondern versucht hat, mit Helen das Bild eines einsamen, verstörten Menschen aus durch und durch zerrütteten Verhältnissen zu zeichnen, wie es in unserer Gesellschaft leider viel zu viele gibt. Das Bild einer jungen Frau, deren Leben in äußerst engen Bahnen verläuft, für die Gefühle nur etwas Beiläufiges sind, die in ihrem bisherigen Leben noch nie so etwas wie wahre Liebe kennenlernen durfte, was sich in ihrem abgrundtief gestörten Sexualleben, dem omnipräsenten Drang nach Masturbation, ihrer exhibitionistischen Ader und zig erotischen Spielchen der eher ausgefallenen Art (hier sei besonders der wirklich kreative Advocadokerndildo erwähnt!) widerspiegelt.

Ich unterstelle Charlotte Roche einfach mal, dass ich richtig liege, wenn ich behaupte, dass sie mit Helen nicht bloß plump ein Mädchen mit zweifelsohne gestörter Persönlichkeit und noch viel gestörterer Sexualität erschaffen wollte, sondern ein Mädchen, das bei aller Abartigkeit tief in ihr drin durchaus noch ein „normales“ Ich besitzt, welches immer wieder phasenweise zum Vorschein kommt. Beispielsweise am Ende des Buches, wo sie sich in der Hoffnung, den Status Quo vielleicht doch irgendwie gen Sonnenseite zu verschieben, ohne Rücksicht auf Verluste ins Ungewisse aufmacht. Sollte ich damit richtig liegen, ist Roches Helen wirklich ein ziemlich faszinierender Charakter! So oder so haben mich ihre Taten während des Lesens immer wieder zum Nachdenken angeregt: Was könnte der Auslöser gewesen sein, wofür könnte diese Handlung wohl gestanden haben? Auf diese Weise an das Buch heranzugehen fand ich extrem spannend!

Fazit
„Feuchtgebiete“ ist von vorne bis hinten provokant, passagenweise höchst abartig und so manche Aktion der Protagonistin darf durchaus als ein bisschen pervers bezeichnet werden. Und doch: Wer es sich einfach macht und sich mit „Igitt, so ein Schund!“ oder „Pfff… so einen perversen Mist tue ich mir nicht an!“ aus der Affaire zieht, nur weil er mal irgendwo gelesen hat, dass in dem Buch mit dem Thema Sex, Körperflüssigkeiten und Problemen analer Art, nun ja, ziemlich „offensiv“ umgegangen wird, der verpasst was! Um die Intention der Autorin zu verstehen, muss man hinter die offensichtliche Fassade blicken, sich einlassen auf all die Abgründe, den Ekel, Helens nicht gerade feine Wortwahl und das restliche Drumherum. Wer dies tut – und bis zur letzten Seite durchhält, bekommt einen gelungenen Debütroman geliefert, den man sich durchaus mal an ein, zwei Nachmittagen geben kann, und der, nachdem man das Gelesene im Anschluß noch einmal hat Revue passieren lassen, durchaus mit einer gewissen Tiefe zu überraschen weiß!

P.S: Zum Hörbuch, gelesen von Charlotte Roche herself, geht’s hier entlang…

— InaiMathi, am 16. Juni 2011

Feuchtgebiete

Genre: Erotik / Unterhaltung
Veröffentlichung: 2008
Umfang: 224 Seiten
Verlag: DuMont / Ullstein Verlag
Autor: Charlotte Roche
Wertung
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