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InaiMathi Blog

Erkenntnisse via DDoS

PlayStation LogoWer wie ich über die Weihnachtsfeiertage ein wenig Zeit an seiner Xbox One und/oder PlayStation 4 totschlagen wollte, musste feststellen, dass dieses Vorhaben unter Umständen in ziemliche Frustration ausarten kann. Schuld waren die jüngsten Attacken der Hackergruppe Lizard Squad, welche Xbox LIVE sowie das PlayStation Network, die beiden Online-Gaming-Services von Microsoft und Sony, tagelang lahmgelegt haben, so dass es nicht möglich war, auf die entsprechenden Angebote zuzugreifen. Auch die Nutzung des PlayStation Stores war nicht möglich, was angesichts so manches netten Xmas-Deals dann doch recht schade war.

Bei der Gelegenheit fiel mir wieder einmal auf, wie sehr beide neuen „Next Gen“-Konsolen im Grunde doch vom Internet abhängig sind. Und dies ist zumindest im Falle der PS4 schon irgendwie recht lustig ist, schließlich wurde doch im Vorfeld des Launches Ende letzten Jahres immer wieder bis zum Erbrechen propagiert, Sonys PS4-Konsole würde, im krassen Gegensatz zur Xbox One, die bekanntlich ursprünglich eine „Always On“-Strategie verfolgt hat, auch offline prächtig funktionieren.

Doch die Wahrheit sieht gänzlich anders aus: Ganz egal, welches PS4-Game ich auch eingelegt hatte, bei keinem einzigen gelang es mir auf direktem Weg ins Hauptmenü zu kommen. „Drive Club“ macht zwar mittlerweile Spaß, ist aber sehr jeher ein Online-Totalausfall, von daher wunderte mich da gar nichts mehr. „NBA 2K15“ hingegen setzt – warum auch immer – eine aktive Online-Verbindung voraus, um den von mir präferierten MyCareer-Modus zocken zu können und „Dragon Age: Inquisition“ versuchte ebenfalls gefühlte 10 Minuten lang eine Verbindung zur EA-Serverfarm herzustellen, was natürlich nicht gelingen konnte, da auch die unter erhöhtem DDoS-Beschuss stand. Die einzige Möglichkeit, dem ganzen Online-Server-Verbindungs-Wahn meiner PS4 einen Riegel vorzuschieben, bestand darin, die ganze Konsole einfach mal vom Internet zu trennen, was über die Einstellungen mit nur wenigen Klicks möglich ist.

Doch dann zeigte sich erst, wie viele teils grundlegende Features des PlayStation-OS auf einer aktive Internetverbindung fußen. So war es mir beispielsweise nicht möglich, freigeschaltete Achievements Trophies nachzuschlagen, bzw. das entsprechende Trophäen-Menü überhaupt aufzurufen ohne mit einer Fehlermeldung des OS konfrontiert zu werden. Auch eher simple Aktionen, wie beispielsweise ein Blick in meine Freundesliste, blieben mir verwehrt. Weitere Funktionen, wie unter anderem die Möglichkeit, sich per D-Down im Dashboard Infos zu einem installierten PS4-Game anzuschauen, funktionierten ebenfalls nicht wie gewohnt, da all diese Daten scheinbar nicht lokal auf der Festplatte der Konsole gespeichert, sondern jedes Mal aufs Neue von den PlayStation-Servern heruntergeladen werden. Eine grundlegende Designentscheidung, die ich insbesondere im Falle der Trophies und der Freundesliste nicht nachvollziehen kann.

Und alles in allem eine ungute Entwicklung, wie ich finde.

Klar, heutzutage sind die meisten von uns mit ihren Smartphones, Tablets, Macs und Konsolen mehr oder weniger „always on“ und alles ist mit allem über zwei, drei Ecken vernetzt, weshalb ich btw auch den Shitstorm wegen Microsofts „Always on“-Strategie nicht gänzlich verstanden habe. Gleichzeitig führt eine unfreiwillige Offline-Erfahrung wie die der vergangenen Tage einem krass vor Augen, wie sehr unsere Gesellschaft mittlerweile vom allgegenwärtigen – jedoch nach wie vor nicht für jedermann zugänglichen, da kostenpflichtigen und somit mit Zugangshürden verbundenen – Internet und den Möglichkeiten, die dieses mit sich bringt, abhängig ist. Darauf einzugehen, weshalb der freie Zugang zum Internet hierzulande zur Grundversorgung erhoben werden sollte, würde den Rahmen dieses Posts hier gleich mehrfach sprengen, von daher lasse ich dies einfach mal so stehen.

Der Punkt, auf den ich hinaus will, ist der folgende: Was passiert eigentlich in ein paar Jahren, wenn PlayStation 4 und Xbox One schon lange ausrangiert und aufgrund dessen irgendwann von den Publishern auch die letzten Gameserver abgeschaltet wurden? Zahlreiche Videospiele setzen dieser Tage, wie eingangs geschrieben, eine aktive Online-Authentifizierung voraus – sei es nun eine Anmeldung via Gamertag, ein registriertes Online-Konto oder dergleichen -, um überhaupt erst einmal ins Hauptmenü eines Games vorstoßen zu können. Nicht wenige, wie beispielsweise zuletzt das „Dark Souls“-Abziehbild „Lords of the Fallen“, benötigen zudem umfangreiche Day-1-Patches, um überhaupt erst anständig spielbar zu sein, da es offenbar der neueste Trend zu sein scheint, eine unfertige Beta-Version ins Presswerk zu geben und das komplette Spiel erst im Anschluss an die Installation per mehrere Gigabyte großem Patch nachzureichen. – Ebenfalls eine unfassbare Entwicklung, zumindest für Gamer wie mich, die ihre gekauften Spiele nach dem Durchzocken nicht etwa bei GameStop, Momox, Rebuy und Co. wieder zu Geld machen, sondern sie stattdessen in ihre bestehende Videospielsammlung einfließen lassen!

Man bedenke: Hole ich meine eingemottete Konsolenhardware aus dem Keller, um z.B. mit ein paar Freunden gemütlich eine Retro-Session „Super Mario Kart“ zu daddeln, ist dies auch nach all den ins Land gezogenen Jahren nach wie vor problemlos möglich. Das entsprechende Modul suchen, gegebenenfalls die leicht verstaubten Kontakte frei pusten, einlegen und los geht’s! – Ich wage Stand jetzt zu bezweifeln, dass dies in zehn, fünfzehn Jahren oder wann immer mich die Lust, noch einmal durch ein altes Videospiel von damals™ zu streifen, auch befallen wird, angesichts des derzeitigen Status quo so einfach möglich sein wird…

Überhaupt verlassen Entwicklerteams sich inzwischen viel zu selbstverständlich auf die Möglichkeit, umfangreiche Patches nachreichen zu können. Früher, zu einer Zeit, als eine schnelle VDSL-Leitung noch nicht Gang und Gebe war, musste hingegen Qualität geliefert werden. Damals konnten Games noch nicht nach Lust und Laune nachgepatcht, verbessert und in einigen Fällen auch verschlimmbessert werden, wie es seit gut zwanzig Jahren am PC und seit einigen Jahren nun auch im von den Verlaufszahlen her klar dominierenden Konsolenlager der Fall ist. Während ich die Möglichkeit des schnellen Nachpatchen grundsätzlich zu schätzen weiß – immerhin führt dies i.d.R. ja zu einer gefühlten Verbesserung -, nervt es mich ungemein, dass sie auch dazu einlädt, die allgemeine Qualität hinten an zu stellen und stattdessen eher darauf bedacht zu sein, möglichst schnell ein halbfertiges Spiel rauszuhauen, um schon mal die offenen Rechnungen begleichen zu können. Schließlich kann man sich ja nach Release noch mit dem finalen Feinschliff befassen – oder wie bei „LoTF“ einfach das halbe Spiel nachreichen. Auch hier stelle ich mir die Frage: Wo bekomme ich die „nachgereichte Hälfte“ des Spiels in zehn oder fünfzehn Jahren her? Kann ich wirklich darauf vertrauen, dass der Publisher oder zumindest Sony und Co. diese Daten in all den Jahren noch bereitstellen?

Der Cloud-Gaming-Service PlayStation Now kann meiner Meinung nach nicht die Antwort sein, obwohl er natürlich super in unsere heutige Leasing-Gesellschaft passt. Man kennt das: fetten Porsche fahren, ihn aber eben nicht besitzen, was imho halt ein kleiner, aber feiner Unterschied ist. Für mich sind Videospiele eine Form der Kunst, genau wie es für andere ihre geliebten Bücher, Arthouse-Filme oder Kunstgemälde sind. Ich sammele sie, stelle sie fein säuberlich in die Regalwand und mit vielen von ihnen verbinde ich schöne Erinnerungen an gerettete Prinzessinnen, erschlagene Drachen und so manche durchzockte Nacht – sie besitzen also einen sentimentalen Wert und nennen somit einen Stellenwert ihr Eigen, den ein rein digitales Gut nie wird erreichen können.

Tja, und was hat das alles nun mit dem eingangs erwähnten PSN-Ausfall zu tun? – Um einiges mehr, als man auf den ersten, zweiten und vielleicht auch dritten Blick glauben mag.

— InaiMathi, am 28. Dezember 2014
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