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InaiMathi Blog

EA Ronku

Über fünf Jahre ist es inzwischen her, dass ich zuletzt meine Gaming-Skills auf Video gebannt und bei YouTube hochgeladen habe, sprich: als Let’s Player aktiv war. Nach anfänglicher chronischer Ablehnung sind inzwischen auch die meisten Entwicklerstudios und Publisher auf den Trichter gekommen, dass Let’s Plays und Walkthroughs in der Regel kostenloser Werbung für ein Videospiel gleichkommen und nicht wenige Gamer bei ihrer Kaufentscheidung maßgeblich beeinflussen. Auch Electronic Arts, einer der weltweit größten Videospiel-Publisher, in dessen Portfolio sich weltweit populäre Franchises wie „Dragon Age“, „Need For Speed“, „FIFA“, „Madden“, „Mass Effect“, „Battlefield“ und „Star Wars: Battlefront“ tummeln, gehört seit einiger Zeit zum Kreis der Erleuchteten.

Wie sehr EA inzwischen auf YouTube als Werbeplattform und Let’s Player als Werbebotschafter“ setzt, zeigt sich eindrucksvoll an einem Partnerprogramm namens EA Ronku. Dabei handelt es sich um einen relativ exklusiven Invite-only Club von überwiegend englischsprachigen, reichweitenstarken YouTube-Persönlichkeiten und einflussreichen Influencern der Szene, oder um es mit EA zu sagen: „Ronku is an exclusive program powered by EA devoted to connecting top YouTube gamers directly with the people that make the games they love to play.“ Sie alle verwandeln ihren YouTube-Channel in eine Art EA-litfaßsäule, indem sie neue EA-Videospiele auf ihrem Channel promoten, soll heißen: Let’s-Play-Videos und/oder Reviews hochladen. In deren Rahmen lassen besagte YouTuber dann der Regel überdeutlich raushängen, wie sehr sie doch von dem Game, das sie da gerade zocken (bzw. zocken sollen), begeistert sind, – nun ja, zumindest geben sie vor, dass ihre Begeisterung keinerlei Grenzen kennt. Diesbezüglich muss man wissen: Im Vorfeld werden sie von EA mit einer Art Checkliste ausgestattet, auf der diverse Punkte vermerkt sind, die im Video unbedingt angesprochen und/oder gezeigt werden sollen. Das können bestimmte brandneue Features sein, spektakuläre Zwischensequenzen oder aber schlicht und ergreifend der Releasetermin. Negatives bekommt man in diesen Videos hingegen nicht zu hören, – ist halt Werbung.

YouTuber, die sich auf einen solchen Deal einlassen, verdienen dabei nicht schlecht: Pro 1.000 Views überweist Electronic Arts, so kam mir zu Ohren, 10 US-Dollar, – und das garantiert, da ggf. im Hintergrund laufende Werbeblocker nichts bringen oder sollen sie etwa das komplette Video blocken? ;) Erkennbar sind diese bezahlten Werbevideos in der Regel an der kurzen Einblendung des „EA Ronku“-Logos direkt zu Beginn, oder an einem in der Videobeschreibung platzierten (meist ganz unten, wo es die Zielgruppe eh mitbekommt) Hinweis, der da lautet: „Sponsored by EA Ronku“. Nur die allerwenigsten sind so ehrlich und transparent und legen auch auf akustischem Weg offen, dass sie für das folgende Video vom Publisher bezahlt werden. Und selbst wenn, wird meist lediglich extrem vage angedeutet, dass das, was man da gerade zu sehen bekommt, nichts anderes ist als vom Publisher des jeweiligen Games bezahlte Werbung.

Wenn solche Werbebreaks in meinem YouTube-Stream auftauchen, und das kam in letzter Zeit ziemlich häufig vor, schließlich hatte Electronic Arts mit „Need For Speed“ und „Star Wars: Battlefront“ gleich zwei große Releases in der Pipeline, vereinzelt kam es auch bei „FIFA 16“, „NBA Live 16“ und – natürlich – auch „Madden NFL 16“ zu entsprechenden Uploads, frage ich mich nur immer, wie sehr sich diese Leute im Leben wohl sonst noch so verbiegen, oder um es ein wenig drastischer auszudrücken: sich prostituieren mögen? Besonders ekelhaft sind imho jene YouTuber, die in der Vergangenheit nicht müde wurden immer wieder zu betonen, wie – ja – beschissen sie Electronic Arts als Publisher doch finden, und dass sie dieses und jenes Spiel niemals ernsthaft anfassen, geschweige denn zocken würden, weil es einfach nicht ihren Geschmack trifft. Tja, und dann werden von genau diesen Leuten plötzlich wie aus dem Nichts von EA Ronku gesponserte Videos hochgeladen, nur um die Serie nach meist drei, vier Uploads bereits schon wieder einzustellen, – mehr Videos waren für ’ne Auszahlung wohl nicht gefordert…

EA Ronku ist natürlich nur eines von schier unzähligen ähnlich gearteten Partnerprogrammen aller möglicher Genres. Nicht wenige Buchverlage, Filmverleihe, Tech-Unternehmen und Videospiel-Publisher gehen nicht anders vor! Dieser Post soll auch nicht als Kritik an Electronic Arts verstanden werden, sondern eher als Anprangern an der allgemeinen Unehrlichkeit, der weite Teile der weltweiten Blogger- und YouTuber-Szene anheim gefallen sind in den letzten Jahren.

Wo ist die Authentizität abgeblieben?

— InaiMathi, am 22. November 2015
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