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InaiMathi Blog

Dragon Age: Dawn of the Seeker

Dragon Age: Dawn of the Seeker - © WVG Medien GmbH

Mit „Dragon Age: Dawn of the Seeker“ (jap. ドラゴンエイジ ブラッドメイジの聖戦) erschien Anfang Januar 2013 der erste groß aufgezogene Anime-Kinofilm im „Dragon Age“-Universum endlich auch diesseits des Atlantiks in Deutschland. In den Vereinigten Staaten und Japan, wo der Streifen unter der Regie des japanischen Regisseurs Fumihiko Sori („Ashita no Jô“, „Ichi – Die blinde Schwertkämpferin“, u.a.) vom Produktionsstudio FUNimation Entertainment realisiert wurde, wurde er bereits im Mai vorigen Jahres auf den Markt gebracht und erzielte dort recht beachtliche Erfolge, – auch wenn es, wie auch hier bei uns, für eine groß aufgezogene Aufführung in den Lichtspielhäusern nicht ganz gereicht hat.

Die Ereignisse in „Dragon Age: Dawn of the Seeker“, das Aufbegehren gegen die unterdrückerische Kirche, Blutmagier und den titelgebenden Seeker sind zeitlich nach den Ereignissen im Videospiel „Dragon Age 2“ angesiedelt, stehen jedoch autonom für sich. Die Handlung kann also auch von kompletten „Dragon Age“-Neulingen nachvollzogen werden, da sie im Grunde keinerlei Vorwissen voraussetzt. Wer welches mitbringt, soll, laut Sori, mit zahlreichen Anspielungen und einigen Easter Eggs belohnt werden.

Aufmerksame Leser meines Blogs wissen sicherlich, dass mich mit den großartigen Dragon Age-Rollenspielen von Bioware Corp. und Electronic Arts seit jeher eine ganze Menge verbindet, und ich den Release des dritten Teils, „Dragon Age 3: Inquisition“ herbeisehne als gäbe es kein Morgen. Und so stand es außer Frage, dass ich mich, sobald „Dragon Age: Dawn of the Seeker“ hierzulande in den Händlerregalen aufschlägt, hinsetzen und mir den Streifen geben würde. Natürlich darf auch eine unverblümt ehrliche Filmkritik nicht fehlen. – In diesem Sinne…

Dragon Age: Dawn of the Seeker
mit Brina PalenciaColleen ClinkenbeardR. Bruce Elliot, u.a.
Anime, USA / Japan, 2012
Bioware, Electronic Arts / FUNimation Entertainment
www.DragonAgeMovie.com

DVD-Trailer

Inhalt
„Im fernen Land Orlais herrscht ein erbarmungsloser Krieg zwischen Tempelrittern, Zauberern und Drachen. Es regieren die Schwerter und die Magie. Die schöne Cassandra setzt alles daran, eine blutige Verschwörung gegen den mächtigen Orden, die Kantorei des Propheten Andraste, aufzudecken. Doch sie tappt in eine Falle. Freunde und Feinde werfen ihr Mord und Verrat vor. Um ihre Unschuld zu beweisen, muss Cassandra den Kampf gegen das Böse aufnehmen. Scheitert sie, ist sie dem Beil des Henkers ausgeliefert. Besiegt sie ihre innere Wut und die finsteren Mächte, ist ihr ein Platz im Reich der Sagen und Legenden sicher.“ – Quelle

Kritik
Der Anime „Dragon Age: Dawn of the Seeker“ steht in nahezu jeder Beziehung in bester Tradition zu „Dragon Age 2“, dem Ende 2011 erschienenen und neuesten Videospiel aus Biowares vielfach prämiertem Rollenspiel-Franchise. Doch das ist keinesfalls etwas Positives, denn wie wir uns erinnern, war „Dragon Age 2“ der definitiv schwächste bisher veröffentliche Teil der Reihe, der viele eingefleischte Fans nicht zufriedenstellen konnte.

Das ganze Drama beginn mit Kim Kardashian Cassandra Pentaghast, der Heldin des Films: Die kommt mit ihrer Kälte, ihrer durchgängig an den Tag gelegten unnahbaren Art und ihrem offensichtlichen Todeswunsch (nicht anders lässt sich diese Lust, sich den nächsten Kampf anzulachen, bezeichnen) nämlich allenfalls als Anti-Heldin rüber, denn als glorreiche Streiterin gegen das Böse. Wäre ja nicht weiter tragisch, denn auch Anti-Helden können durchaus interessant sein, doch Cassandra vermag in meinen Augen nicht einmal diese Rolle würdig auszufüllen. Und das wiederum resultierte schlussendlich darin, dass sie und ihr Schicksal mir so ziemlich den gesamten Film über unfassbar egal war.
Weder zu ihr, noch zum Rest der durchweg sehr blass angelegten Charaktere konnte ich im Verlauf der gut anderthalb Stunden Lauflänge des Films eine Bindung aufbauen. Viel zu seicht, oberflächlich und wenig ausgearbeitet präsentieren sich diese, als dass sie mich wirklich hätte interessieren können. Cassandra nennt beispielsweise den im Fantasy-Genre schon beinahe obligatorisch tragischen „Bruder wurde vom bösen Blutmagier-Pack mordet“-Schicksalsschlag ihr Eigen und hegt den Wunsch, seinen Tod zu rächen – wozu sich ihr selbstverständlich auch die Gelegenheit bietet. – Das fesselt doch nun wirklich niemanden mehr, oder? Doch es wird leider nicht besser, denn auch die weiteren Charaktere des Films spielen was ihre Ausarbeitung und die von ihnen ausgehende Faszination anbelangt in etwa in derselben Liga.

Dragon Age: Dawn of the Seeker

Dann wäre da die nicht ansatzweise interessante Geschichte, der so etwas wie mehrere parallel verlaufende Handlungsstränge fremd sind und die von der ersten Minute an so unheimlich vorhersehbar daherkommt, ganz einfach weil sie stur dem roten Faden folgt, anstatt ab und an mal einen Schlenker nach rechts oder links zu wagen, und so ziemlich jedes einzelne Vorurteil, bzw. jedes Klischee, das man gegenüber dem Genre haben könnte, genüsslich abarbeitet, und sich dabei selber fast parodiert: Als da wären der ältere Mentor, der unserer Heldin natürlich noch einen unheimlich wichtigen Ratschlag mit auf den Weg geben muss, bevor er sich den Jordan vom anderen Ufer aus anschaut, ein Begleiter, für den unsere Heldin insgeheim Gefühle hegt, was sie ihm – natürlich – nicht offenbart, dann der todesmutige Sprung von einer Klippe in den reißenden Strom, um einer ausweglosen Situation zu entgehen, ein blasser, da auf unheimlich eindimensionale Art und Weise fieser Bösewicht, der viel zu überzeichnet dargestellt wird, dass man ihn und seine Absichten nicht wirklich ernst nehmen kann, – um an dieser Stelle nur ein einen Auszug jener Szenen zu nennen, die in so ziemlich jedem thematisch verwandten Streifen vorkommen. Vergleicht man all dies mit den bis dato erschienenen Videospielen aus dem „Dragon Age“-Universum mit ihren wirklich detailliert ausgearbeiteten Charaktere, die einem mit der Zeit richtiggehend ans Herz wachsen, und der nicht minder fesselnden Handlung, die das Game über rund 80 Stunden zu tragen vermag, so ergibt sich ein Unterschied wie Tag und Nacht. Kurzum: Der Film wird der Vorlage in keinster Weise gerecht!
Sehr schade fand ich auch, dass die versprochenen Anspielungen auf die beiden großen Videospielen überwiegend ausblieben. Selbst die Geschehnisse aus „Dragon Age 2“ wurden mit keiner Silbe erwähnt, was merkwürdig ist, immerhin versteht sich der Anime doch als Verlängerung des Videospiels.

Was man „Dragon Age: Dawn of the Seeker“ jedoch definitiv zu Gute halten muss, ist die Tatsache, dass sich die Macher rund um Regisseur Sori ohne jeden Zweifel viel Mühe gegeben haben, das grunddüstere „Dragon Age“-Setting so hinzubekommen, dass Fans der Rollenspiele einige prägnante Orte, wie beispielsweise einen der riesigen prunkvollen Tempel der Andraste ohne Schwierigkeiten wieder erkennen können. Auch die Rüstungen und Waffen der Soldaten und Magier sowie das allgemeine Vokabular wirken in sich stimmig und könnten glatt eins zu eins Biowares Spielereihe entsprungen sein, was einen echten Pluspunkt in Sachen Atmosphäre bedeutet!

Nichtsdestotrotz komme ich nicht umher, auch die technische Umsetzung des Stoffs zu kritisieren: Ich weiß nicht, vielleicht liegt es ja an meiner generellen Abneigung gegenüber CGI-Animes, jedenfalls hat mir der visuelle Stil, der sich aus einer Mischung von klassischer CGI-Animation und Cell-Shading zusammensetzt, überhaupt nicht zugesagt. Dieser orientiert sich grob an der grafischen Aufmachung von „Dragon Age 2“, die, wie wir uns voll des Leides erinnern, allgemein hin recht reduziert, wenig ausgearbeitet und für meinen Geschmack sehr seelenlos daher kam. Passt also quasi wie die Faust aufs Auge zu den bereits erwähnten ziemlich blassen Charakteren und der noch viel blasseren Geschichte des Films.
Auch die Animation… alles sehr rudimentär und zuweilen sogar ein wenig hakelig aus der Kategorie „gewollt aber nicht gekonnt“. Insbesondere die Animation der titelgebenden Drachen kommen schon sehr dilettantisch daher, was für mich als großem Drachen-Fanboy so ein bisschen ein Stich ins Herz war! Ich will dem sicherlich engagierten Produktionsteam von FUNimation Entertainment an dieser Stelle ganz bestimmt nicht sein Können abstreiten, dennoch hatte ich stellenweise den Eindruck, eine bestenfalls durchschnittlich ambitionierte Projektarbeit irgendwelcher Filmstudenten anstatt eines full blown DVD-Release vor mir zu haben.

Die deutsche Synchronisation von „Dragon Age: Dawn of the Seeker“ ist durchaus gelungen. Die besetzten Sprecher machen einen guten Eindruck, irgendwelche vermeidbaren Fehlbesetzung sind mir nicht aufgefallen. Auch die Dialoge wurden stimmig und vor allen Dingen nah angelehnt an die Vorlage ins Deutsche übertragen. Nichts, was sich berechtigte Hoffnungen auf den Deutschen Preis für Synchron machen darf, aber: Kann man sich geben, ohne Gefahr zu laufen sich fortan mit Ohrenkrebs herumschlagen zu müssen!
Die Soundkulisse lässt sich hingegen am besten mit „unscheinbar“ zusammenfassen. Irgendwie hatte ich während der gesamten 90 Minuten den Eindruck, dem Film täte ein wenig mehr Musik gut zu Gesicht stehen. So hätte man die öde Geschichte vielleicht mit ein wenig Dramatik anreichern können, aber ach… so plätschert das alles halt eben überwiegend relativ mucksmäuschenstill vor sich hin. Doch auch hier: Passt zum restlichen „Gesamtkunstwerk“.

Das schlimmste am ganzen Film ist übrigens das Ende mit der unterschwelligen Andeutung eines eventuell in der Pipeline befindlichen Sequels…

Fazit
Das war ja mal ein Schuss in den Ofen: „Dragon Age: Dawn of the Seeker“ ist eine herbe Enttäuschung für jeden wahren „Dragon Age“-Fan, der eine ernsthafte (Comic-)Verfilmung von Biowares Drachensaga herbeigesehnt hatte. Heldin Cassandra versagt auf ganzer Linie, den Zuschauer für sich zu begeistern, die weiteren Charaktere sind durch die Bank austauschbar und die erzählte Geschichte hat ein jeder schon tausendmal gesehen. Und das weitaus besser inszeniert! – „Dragon Age“-Fans sparen sich die 20 Euro lieber für „Dragon Age 3: Inquisition“ und warten weiter auf den Realfilm, bevor sie sich diesen Mist antun!

— InaiMathi, am 7. Januar 2013

Dragon Age: Dawn of the Seeker

Genre: Animationsfilm
Release: 2013
Laufzeit: 88 Minuten
Studio: Bioware / EA
Publisher: WVG Medien GmbH
Wertung
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