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InaiMathi Blog

Die Autorin und ihr Bekannter fanden meine Rezension nicht hilfreich

Amazon…so und nicht anders müsste es unter so mancher negativer Buchrezension auf Amazon.de eigentlich heißen. Denn: Immer wieder fällt mir auf, dass insbesondere jene Rezensionen, die sich dem besprochenen Buch etwas eingehender  beschäftigen (was bei all den lieblos hingerotzten Zweizeiler-Rezis immer selten vorkommt) und dabei von ihrem Grundtenor eher negativ angehaucht sind aka all die 2-Sterne und 3-Sterne-Rezensionen, sich schnell mal die ein oder andere „nicht hilfreich“-Bewertung einfangen. Oft haben sich nur wenige Minuten nach dem Veröffentlichen bereits drei, vier solche Bewertungen angesammelt, was im Prinzip nur möglich ist, wenn die entsprechenden Personen unmittelbar nach dem Posten der Rezi benachrichtigt wurden. Und jetzt bitte mal nachdenken, um wen es sich dabei handeln könnte…

Und so frage ich mich inzwischen: Sind das wirklich nur Hardcore-Fans und -Faninnen, die einem da schnell mal ein „Nicht hilfreich“ reinwürgen, oder wird da hinter den Kulissen von Amazon etwa ganz gewaltig gemauschelt?

Was auffällig ist: In vier von fünf Fallen sind es Rezensionen zu Büchern im Selbstverlag, bzw. solche zu durch Amazon Direct Publishing verlegte Bücher / Groschenromane irgendwelcher Hobbyautoren, bei denen die Leute scheinbar besonders schnell den „Nicht hilfreich“-Button anklicken, sobald eine Rezension nicht ins offensichtlich angepeilte Wertungsbild in den oberen 4er- und 5er-Regionen passt. Sind das am Ende etwa die Autoren höchst selbst, die da negative Buchbesprechungen abwerten, weil sie Kritik zu ihren Werken sofort ausradieren wollen, weil sie mit dieser schlicht nicht umgehen können?

Dazu muss man wissen: Ein Autor, der sein Werk über das Direct Publishing-Programm von Amazon.de unters Volk bringt, hat grundsätzlich das Recht hinzugehen und Amazon.de mit der Löschung von unliebsamen Rezensionen zu beauftragen. Diesen Löschwünschen wird in der Regel innerhalb kürzester Zeit nachgekommen. Warum auch nicht? Schließlich sind beide Parteien direkt am durch das Publikat erzielten Umsatz beteiligt und somit haben sowohl der jeweilige Autor als auch Amazon.de was davon, wenn negative Bewertungen einfach… nennen wir es „ausgebessert“ werden, um ggf. interessierte Leserinnen und Leser nicht zu sehr abzuschrecken.

Etwas zivilisiertere Vertreter der schreibenden Zunft gehen wenigstens im Vorfeld hin und fragen erst einmal nett nach, ob es eventuell möglich wäre, eine zu negativ ausgefallene Rezension ein wenig abzuändern. So nach dem Motto: Zwei Sterne sehen besser aus als nur einer. Doch auch hier zeigt sich recht schnell die fiese Autorenfratze, denn wird dem Wunsch nicht entsprochen – warum sollte man, schließlich wurde die Wertung nicht grundlos vergeben -, wird die veröffentlichte Rezension in der Regel trotzdem abgeändert! Mir sind diesbezüglich Fälle bekannt, in denen die finale Wertung mehrere Male von der Autorin, die sich durch die 2-Sterne-Wertung scheinbar persönlich angegriffenen gefühlt hat, oder der Redaktion von Amazon.de entsprechend geändert, soll heißen: um einen bis zwei Sterne erhöht wurde, ohne dass der eigentliche Verfasser der Rezension davon informiert, bzw. um sein Einverständnis gebeten wurde! Anschließend gab’s eine eingeschnappte Mail mit einem Inhalt der sich vortrefflich mit „Deine Meinung geht mir am Arsch vorbei!“ zusammenfassen lässt.

Mir war bis dato nur bekannt, dass es zu so ziemlich jedem neuen Buch da draußen massenweise Fake-Rezensionen veröffentlicht werden, deren Ursprung entweder auf die Redaktion von Amazon.de oder aber direkt auf den jeweiligen Verlag zurückzuführen ist. Solche bezahlten Rezis sind zwar auch extrem scheiße, aber immerhin noch besser als der zensorische Eingriff in die dargelegte, ehrliche Meinung eines Rezensenten.

Sind die Bewertungen auf Amazon.de mit diesem Wissen im Hinterkopf überhaupt noch was wert, frage ich mich da. Anscheinend werden nur positive Wertungen geduldet. Alles was nicht zur – teils ekelhaft abgehobenen – Meinung des (jungen) Autoren über sich und seine Arbeiten passt, wird ausgeblendet, bzw. nach eigenem Gutdünken korrigiert. Ich werde nun nicht hingehe und mit dem Finger auf diese Schreiberlinge zeigen, wäre viel zu viel unverdiente Aufmerksamkeit für diese Anti-Schriftsteller.

Bitte nicht vergessen: Es muss in einem für meine Begriffe relativ zivilisierten Land wie Deutschland auch im Jahr 2013 noch möglich sein, seine Meinung frei heraus kundtun zu können, ohne Gefahr zu laufen, dass Zensur geübt wird. Und wenn diese Meinung negativ ausfällt, was in der speichelleckerischen Lit-Blogger-Szene immer seltener vorkommt, dann ist das nun einmal eben so und genau so hinzunehmen. Ich meine, wo sind wir hier, in der Volksrepublik?

Ich will hier nun nicht von gleichgeschalteter Meinung reden, aber mein Gott…

— InaiMathi, am 20. Februar 2013
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