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InaiMathi Blog

Deus Ex: Human Revolution

Deus Ex: Human Revolution - © Square Enix

Das im Jahr 2000 für den PC, Mac und die Playstation erschienene Videospiel „Deus Ex“ gilt noch heute, mehr als ein Jahrzehnt nach seinem Release als eines der besten Rollenspiele überhaupt. Gekonnt verbindet es typische Shooter- und RPG-Elemente mit non-linearem, von einer ungeheuren Entscheidungsfreiheit geprägtem Gameplay sowie einer philosophisch-tiefsinnigen Handlung, die in einer dystopischen Cyberpunk-Welt angesiedelt ist, zu einem phänomenalen Gesamtkunstwerk der Extraklasse. Entwickelt wurde „Deus Ex“ seinerzeit von Ion Storm Austin, unter der kreativen Federführung von Designer-Urgestein Warren Spector (u.a. „Wing Commander“-Saga, „Ultima IV“, „System Shock“, „Thief“, „Epic Mickey“), der für mich neben Peter Molyneux zu den absoluten Lichtgestalten der Branche zählt.

Der Nachfolger „Deus Ex 2 – Invisible War“ wurde 2004 für den PC und die erste Xbox-Konsole von Microsoft veröffentlicht, erreichte jedoch bedauerlicherweise nicht annährend die vortreffliche Klasse und Charme des Vorgängers. Zugleich ist „DX2“ auch der letzte Ableger des Franchise, an dessen Entwicklung Serienschöpfer Warren Spector aktiv beteiligt war.

Nach sieben schier endlosen Jahren des Wartens erschien im vergangenen August endlich der langersehnte dritte Teil der Serie, „Deus Ex: Human Revolution“, für PC, Xbox 360 und die PS3. Dieser wurde vom Entwicklerstudio Eidos Montreal, welches seit 2009 zur japanischen Square Enix Group gehört, als Prequel zum grandiosen ersten Teil positioniert und orientiert sich spielerisch auch wieder ganz klar an diesem, – mit Erfolg! Warum „Human Revolution“ ein Pflichtkauf für alle Fans von anspruchsvoller RPG-Spielekost ist, erläutert meine Rezension…

Deus Ex: Human Revolution
Cyberpunk-Rollenspiel, 2011
Eidos Montreal / Square Enix
www.DeusEx.com

Trailer

Beschreibung
In „Deus Ex: Human Revolution“ spielen Sie Adam Jensen, einen ehem, SWAT-Spezialisten, der ausgewählt wurde, um die Sicherheit eines der innovativsten Biotech-Unternehmen Amerikas zu gewährleisten. Ihr Job ist es, die Firmengeheimnisse zu schützen. Als aber ein Black-Ops-Team ausgerechnet die Wissenschaftler tötet, die Sie beschützen sollten, ist plötzlich nichts mehr wie es war. Nach dem Angriff selbst schwer verwundet und zur Rettung seines eigenen Lebens mechanisch augmentiert, verfolgen Sie die Spur der Hintermänner des Attentats rund um den Globus, ohne dabei zu wissen, wem Sie noch vertrauen können. In einer Zeit, in der wissenschaftliche Fortschritte Sportler, Soldaten und Spione in optimierte Superwesen verwandeln, sorgt im Hintergrund offenbar jemand dafür, dass die Evolution des Menschen einem ganz bestimmten Weg folgt… – Quelle

„Your body may heal, but the mind is not always so resilient.“

Kritik
Eidos Montreal, das Entwicklerteam von „Deus Ex: Human Revolution“, hatte es wahrlich nicht leicht: In Anbetracht des ungeheuren Hypes und der zugegeben ein wenig verklärten Sicht auf den ersten Teil, welcher sowohl bei Gamern als auch bei der internationalen Spielepresse absoluten Kultstatus genießt, musste es schon einen absoluten Hammertitel raushauen, um die zahlreichen Fans des Franchise, die seit Jahren auf eine würdige Fortsetzung warten, nicht zu enttäuschen. Und was soll ich sagen: Es ist ihnen in der Tat gelungen! „Deus Ex 3“ kann es in nahezu allen Punkten mit dem gefeierten Vorgänger aus dem Jahre 2000 aufnehmen, macht manches sogar besser, erlaubt sich allerdings auch ein einige ziemlich unnötige Fehler, die dem Titel den Sprung in noch höhere Wertungsregionen verwehren. Aber der Reihe nach…

Wer den ersten Teil – genau wie ich – bis zum Exzess gespielt hat, weiß: „Deus Ex“ steht wie kaum ein zweites Spiel da draußen für non-lineares Gameplay, welches den Spieler möglichst nicht einschränkt, sondern ihm alle erdenklichen Freiheiten lässt. Immer und überall gibt es mehrere Wege ans Ziel zu kommen. Keine Mission im Verlauf der dichten Handlung lässt sich nur auf eine bestimmte, von den Entwicklern vorgegebene Art und Weise lösen, stets existiert mindestens noch ein zweiter mal leichterer, mal schwierigerer Weg, sie abzuschließen. In den meisten Fällen existieren sogar noch mehr Möglichen, die zum Erfolg führen. Wer experimentierfreudig ist, seine Umgebung genau analysiert, sich umhört und gesammelte Informationen geschickt kombiniert, kommt mindestens genau so schnell zum Ziel wie jemand, der sich ohne Rücksicht auf Verluste durch die Feindeshorden schnetzelt. Diese ungeheure Entscheidungsfreiheit war schon immer eine der ganz großen Stärken der „Deus Ex“-Reihe und das hat sich auch in „Human Revolution“ nicht geändert. Ein Beispiel: Adam muss eine Lagerhalle infiltrieren, um an wichtige Informationen zu kömmen. Dies kann er erledigen, indem er entweder durch den Vordereingang hineinspaziert, wobei das „spazieren“ entweder mit heftigen Ballerorgien verbunden ist, oder á la Sam Fisher auf die lautlose, die schleichende Art. Alternativ kann Adam sich auch in der näheren Umgebung der Lagerhalle umschauen und so irgendwann auf einen alten ungesicherten Lüftungsschacht aufmerksam werden, der ihn ebenfalls ins Innere des Gebäudes führt. Oder aber er ruft sich seine Hacker-Kenntnisse in Erinnerung und überlistet so das Sicherheitssystem am Hintereingang des Gebäudes, wenn er denn nicht zuvor irgendwo den passenden Code aufgetrieben haben sollte. Ganz egal, welcher Typ Spieler vor dem Monitor sitzt, „Deus Ex: Human Revolution“ versucht alle spielerischen Vorlieben zu bedienen. Darüber hinaus ist der Wiederspielwert des Titels Dank der zig verschiedenen Lösungswege für eine Mission enorm hoch. Viele getroffene Entscheidungen ziehen darüber hinaus Konsequenzen nach sich, was den Verlauf der Handlung und sogar den großen Showdown merklich beeinflussen kann: insgesamt gibt es vier grundverschiedene Enden!

Was den Machern ebenfalls wieder unbeschreiblich gut gelungen ist, ist der wirklich superbe Soundtrack des Spiels, für den Komponist Michael McCann verantwortlich zeichnet. Er kommt sehr atmosphärisch daher und flankiert wunderbar die eh düstere Cyberpunk-Atmosphäre, in der die packende Verschwörungsgeschichte von „Deus Ex: Human Revolution“ angesiedelt ist, gekonnt und jederzeit unaufdringlich. Nicht ganz mithalten kann da die deutsche Synchronisation: Die besetzten deutschen Sprecher sind zwar durchaus namhaft, so wurde der Hauptcharakter Adam Jensen von Michael Lott eingesprochen und der Pilotin Faridah Malik hat Tanja Dohse ihre Stimme geliehen, doch was nützen die besten Synchronstimmen, wenn’s schlussendlich an der Technik scheitert? Um es auf den Punkt zu bringen: In der deutschen Fassung wurden die Dialoge sehr oft, um nicht zu sagen durchgehend nicht lippensynchron abgemischt. Der Charakter im Spiel bewegt den Mund schon lange nicht mehr, während der deutsche Sprecher mit seinem Text noch lange nicht fertig ist – und umgekehrt. Das sieht nicht nur ziemlich dilettantisch aus und hat was von Dritte-Welt-Synchro, sondern macht auch einiges der wirklich großartigen Atmosphäre zu nichte. Wer sich „DX3“ hingegen in der Originalfassung auf Englisch gibt, bleibt von diesem Makel logischerweise verschont, was wiederum echt schade ist, denn die deutsche Sprachausgabe ist, mit Ausnahme des beschriebenen Problems, wirklich sehr gelungen. Mir gefallen die deutsche Stimmen sogar besser als die im englischen Original, und das soll schon was heißen!

Apropos suboptimale Technik: An der Optik des Titels scheiden sich die Geister. Entweder man mag den Grafikstil oder eben nicht. „Deus Ex 3“ verwendet eine aufgebohrte Version der von Square Enix und Crystal Dynamics entwickelten Crystal-Engine, wie sie beispielsweise auch in „Tomb Raider: Underworld“ zum Einsatz kommt. Die kann es verständlicherweise nicht ansatzweise mit der Bombastoptik eines „Crysis 2“, „Call of Duty: Modern Warfare 3“ oder „Battlefield 3“ aufnehmen, stellt das futuristische Geschehen meiner Meinung nach aber dennoch sehr ansehnlich und quasi in bester Tradition des ersten Serienteils dar, der sich bekanntlich ebenfalls durch einen recht kalten Stil ausgezeichnet hat. Ziel bei der Entwicklung des Grafikstils war „die Erschaffung eines bislang einzigartigen optischen Erscheinungsbildes“, welches von Eidos Montreal im Rahmen diverser Interviews als „Cyber-Renaissance“ bezeichnet wurde. Bei der Farbgestaltung setzte man überwiegen auf Gelb- und Goldtöne, die in einem starken Kontrast zu den großen dunklen Flächen und der düsteren Optik der Spielwelt stehen. Alles in allem macht der Look auf mich einen hochwertigen Eindruck, der ganz eindeutig _keinen_ Augenkrebs verursacht! 😉 Ein großer Vorteil der nicht mehr ganz taufrischen Engine liegt übrigens auf der Hand: das Spielgeschehen ruckelt höchst selten. Auch ältere Systeme, die nicht mehr ganz den aktuellen Standards entsprechen, sollten durchaus in der Lage sein, „Deus Ex: Human Revolution“ flüssig darzustellen. Apropos flüssig: Die Animationen der NPCs ist den Machern allen Unkenrufen zum trotz ziemlich gut gelungen. Ich kann absolut nicht verstehen, wie einige einschlägige Magazine die „hölzernen Animationen bei Gegnern und NPCs“ kritisieren können?! Da ist nichts hölzern, absolut nicht! Gut, an die Gesichtsanimationen hätten sich die Jungs und Mädels von Eidos Montreal vielleicht doch noch einmal setzen können, das stimmt. So was wie Mimik ist so gut wie nicht existent, bei Gesprächen bewegt sich quasi nur die Mundpartie des jeweiligen Charakters – und das wie erwähnt in der hiesigen Version nicht mal synchron zur Sprachausgabe. Naja, aber das dem Problem hat man sich ja im ersten DLC „The Missing Link“ angenommen, soweit ich das mitbekommen habe.

Doch was nützt die schickste Grafikengine, wenn’s an den grundlegenden Spielmechaniken hapert? Und genau hier weiß „Deus Ex 3“ erneut zu punkten! Auf seinen Streifzügen durch die dystopische Welt steht Jenson immer wieder vor Herausforderungen, bei denen er ohne spezielle Fähigkeiten, die ihm seine sogenannten Augmentierungen, das sind kybernetische Verbesserungen seines Körpers, ermöglichen, nicht weiter käme. Und hier kommt der Rollenspiel-Aspekt von „DX3“ ins Spiel: Mittels der Augmentierungen kann der Charakter ganz auf die persönlichen Vorlieben des Spielers geskillt werden. Wer gerne auf pure Feuerkräft setzt, legt Jensen die entsprechenden Kampf-Augmentierungen zu. Wer hingegen lieber an seinen Gegnern vorbeischleicht und sich in Netzwerke hackt, findet ebenfalls speziell auf diesen Spielstil zugeschnittene Verbesserungen wie jemand, der sich nicht festlegen und sich stattdessen einfach mit einem guten Allround-Char durch die Story zocken will. Das System ist nicht ganz so komplex wie in den ersten beiden Teile, aber dennoch gelungen und erhöht durch seine sehr simple Anmutung zudem die Zugänglichkeit. Bisschen schade: Wer stets kräftig Erfahrungspunkte (XP) sammelt, zum Beispiel indem er viele Gegner ausschaltet, Terminals hackt oder wie verrückt Computer, PDAs und herumliegende Zeitungen nach Story-relevanten Infos durchforstet, hat bereits kurz nach der ersten Hälfte des Spiels beinahe alle für ein zügiges Vorankommen nötigen Augmentierungen gemaxed und nennt somit einen zähen Super-Charakter sein Eigen, was den spielerischen Anspruch des Titels ein bisschen senkt. Was mir nicht ganz klar ist: Ist dies von den Entwicklern so beabsichtigt, sprich: ein Feature, oder nicht ganz durchdachtes Gamedesign? Ich tippe ja auf letzteres, leider!

Augmentierungen sind nicht nur „unterwegs“ immens wichtig, sondern auch, wenn Adam Jensen sich mit einem der mächtigen Bossgegner konfrontiert sieht. Als da wären derlei vier: Frontkampfer Lawrence Barrett, die agile Yelena Federova sowie Jaron Namir, ein ehemaliger Agent des Mossad, und schließlich die hinterhältige Bio-Tech-Queen Zhao Yun Ru. Alle vier erfordern jeweils eine grundlegend andere Taktik, um sie schlussendlich über den Jordan zu schicken. Die Bosskämpfe machen durchaus Spaß, unterbrechen jedoch den Spielfluss etwas, wie ich finde. Insbesondere, wenn man das Spiel schleichend in Angriff nimmt und sich demzufolge die offensiv ausgerichteten Augmentierungen gespart hat, kann der Kampf gegen den ein oder andere Boss (ich möchte an dieser Stelle zwecks vermeidung von Spoilern nicht ins Detail gehen) schon mal in eine ziemlich zähe Angelegenheit ausarten, zumal man der direkten Konfrontation nicht aus dem Weg gehen kann. Alle vier müssen zwingend erledigt beißen; Verhandeln oder anderweitig überwältigen is‘ nicht.

„If you wanna make enemies, try to change something.“

Nichtsdestotrotz überwiegen bei „Deus Ex: Human Revolution“ die positiven Aspekte bei weitem. Das Spiel schafft es, den Spieler binnen Sekunden gefangen zu nehmen und hinein zu ziehen in ein faszinierend detailliert ausgearbeitetes Szenario voller Gefahren, Korruption, Verschwörungen und ziemlich düsterer Zukunftsaussichten, welches in der geboten Umsetzung wohl einzigartig sein dürfte. Der Charakter Adam Jensen, in dessen Rolle der Spieler schlüpft, bleibt dabei nicht – wie manch anderer Vertreter der RPG-Zunft – vornehm blass, sondern gibt im Verlauf der gut 12-stündigen Storyline immer weitere Details von sich und seiner höchst bewegten Vergangenheit preis. Man erfährt von dem immerwährenden Kampf, den er mit seinem augmentierten Ich führt, von jenem Schicksalsschlag, der ihm einst das Wichtigste nahm… – all das führt dazu, dass man sich wirklich hervorragend mit ihm identifizieren kann, seine Probleme und Absichten verstehen und richtig einzuordnen lernt. Das war auch schon beim ersten „Deus Ex“ vor über 11 Jahren so, und ich bin froh, dass es Eidos Montreal und Square Enix gelungen ist, diese Grundtugend der Reihe behutsam zu konservieren und so dermaßen perfekt in die Gegenwart zu transportieren. Man merkt, dass die Macher mit dem Franchise noch einiges vor haben. „Deus Ex: Human Revolutions“ dürfte erst der Anfang von etwas ganz Großem sein…

Und über allem schwebt die mahnende Frage: Wodurch definiert es sich, das Menschsein?

Fazit
Es kommt glaube ich ganz gut rüber, dass mir der Neustart des „Deus Ex“-Franchise eine Menge Spaß gemacht hat, oder? Der Titel ist einfach großartig, brilliert durch abwechslungsreiches Gameplay, die tolle Inszenierung und eine packende, durch Entscheidungen des Spielers individuell beeinflussbare Geschichte, die einen mit ihren überraschenden Wendungen bis zum Ende gebannt vor den Monitor fesselt. Wer auf handwerklich richtig gut gemachte Rollenspiele steht und mit dem styischen Cyberpunk-Szenario etwas anfangen kann, sollte „Deus Ex: Human Revolution“ eine Chance geben!

PS: Die PC-Version von „Deus Ex: Human Revolution“ setzt einen gültigen Steam-Account voraus, um spielen zu können. Ist für mich aber kein Grund, den Titel irgendwie abzuwerten. Ich mag Steam! 🙂

— InaiMathi, am 6. November 2011

Deus Ex: Human Revolution

Genre: Action-Rollenspiel
Release: 2011
Spielzeit: 20 Stunden
Publisher: Square Enix
Entwicklerstudio: Eidos Montreal
Wertung
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