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InaiMathi Blog

Decathlon in Köln-Marsdorf

Am 16. März eröffnete in Köln-Marsdorf die erste Filiale des französischen Sportartikel-Fachhändlers Decathlon. Und was für eine Filiale das ist: Ein schräg gegenüber vom örtlichen Toys’R’Us und nur einen Katzensprung vom ebendort angesiedelten Mediamarkt gelegenes ehemaliges Kaufland-Gebäude, welches bereits seit einigen Jahren brach lag, wurde innerhalb der vergangenen paar Monate in einen waschechte Flagship-Store verwandelt. Am gestrigen Samstag haben die Liebste und ich uns aufgemacht und dem neuen Kölner Decathlon einen Besuch abgestattet.

Aus Richtung Grüngürtel/Militärring kommend sprang uns die neue Decathlon-Filiale bereits aus einigen hundert Metern Entfernung ins Auge. Zugegeben: Man hat sich seitens Decathlon wirklich Mühe geben, den tagtäglich vorbeifahrenden Pendlern zu signalisieren: Neben Heimwerker-Utensilien, Kinderspielzeug und Elektronik werden hier von nun an auch Sportartikel verkloppt! So waren auf dem Gelände vor dem Haupteingang unter anderem ein Basketball-Streetcourt, ein Beachvolleyball-Areal sowie ein überdimensionales Trampolin aufgebaut. Die Sportanlagen waren durchaus gut ausgelastet, auch wenn ich persönlich den Eindruck hatte, dass sie von nicht wenigen munter ihre Bratwurst mampfenden Eltern als Spielplatz zweckentfremdet wurden. Aber gut, die „geparkten Kinder“ können unter Umständen auch mit der „Event-Kirche“ in der Nachbarschaft zu tun gehabt haben, wo zeitgleich eine Hochzeit (oder so…) stattfand. Naja, wie auch immer…

Als die Ampel endlich auf Grün wechselte, bogen wir ins angeschlossene Parkhaus ab. Dieses machte einen enorm heruntergekommenen Eindruck. Wie man sich ein mehrere Jahre lang nicht genutztes, sich größtenteils selbst überlassenes ehemaliges Kaufland-Parkhaus allgemein hin eben so vorstellt. Wahrscheinlich war der Zeitplan bis zur Eröffnung der Filiale sehr straff angelegt, so dass gegen Ende ganz offensichtlich keine Zeit mehr übrig geblieben ist, um das Parkhaus entsprechend zu sanieren. Hier und da ein wenig blaue Farbe hat jedenfalls nicht darüber hinwegtäuschen können, dass in der Hinsicht noch einiges zu tun ist. Auch die nach wie vor präsenten Baugerüste der Baufirma sprechen eine deutliche Sprache. Vielleicht können diesbezüglich ja die Kollegen von OBI weiterhelfen? Ebenfalls unschön: Es war von unserem Parkplatz aus, welcher uns übrigens einen netten Blick auf eine Pferdewiese hinter dem Gebäude erlaubte, nicht wirklich ersichtlich (und auch nicht auf den zweiten Blick), wo es denn zum Treppenhaus, bzw. den Aufzügen geht. Für die meisten Besucher dürfte somit erst einmal, nun ja, Suchen angesagt sein. Und das könnte einige Zeit in Anspruch nehmen, denn das zweigeschossige Parkhaus bietet einigen Raum, um im Zweifel eine falsche Richtung einzuschlagen. Pro-Tipp: Einfach der Menschenmenge folgen, die mit vollen Tüten zurück ins Parkhaus zu ihren Autos strömt. ;)

Im eigentlichen Verkaufsbereich im Erdgeschoss angekommen, machte sich bei mir erst einmal große Ernüchterung breit. Wobei… nein, diese hatte sich bereits eingestellt und wurde lediglich bestätigt: Wie hatte man den neuen Kölner Decathlon Flagship-Store im Vorfeld nicht über die Maßen angepriesen: 70 Sportarten in einer einzigen Filiale. Eine neue Welt des Sports. Sensationell! Wie waren wir bis dato eigentlich ohne eigene Decathlon-Niederlassung über die Runden gekommen?! – Nun ja, die Realität gestaltete sich dann doch ein kleinwenig anders. Die Inneneinrichtung der Filiale erinnerte mich ein an ein Lagerhaus. Sehr aufs Wesentliche (Regale, Waren, Preise, zwischendrin hektisch herumrennende Mitarbeiter) reduziert, unpersönlich, alles in allem wenig einladend – zumindest für meine Begriffe. Von den versprochenen 70 Sportarten, die das Produktsortiment angeblich abdeckt, war meiner Meinung nach nicht allzu viel zu sehen. Im Eingangsbereich fanden sich Rad- und Kraftsport, daneben waren uninspiriert zwei olle Mehrpersonenzelte aufgebaut, weil ein paar Regalreihen weiter Wander- und Bergsteiger-Utensilien angeboten wurden. Zwischendrin gab’s bisschen was für passionierte Jogger, Bodybuilder, Tennis- sowie Tischtennis-Spieler, und ganz hinten durch, wirklich erst in der hintersten Ecke der sterilen „Lagerhalle“, fanden sich schließlich auch einige interessante Artikel zu den hierzulande nicht ganz unwichtigen Sportarten Fußball und Basketball, z.B. Schuhe, Oberteile und Shorts. All das (und vielleicht sogar einiges mehr) bekomme ich auch bei SportScheck oder anderswo in der Innenstadt, kein Grund zu Decathlon nach Köln-Marsdorf zu fahren. Zudem machte die Aufteilung der Verkaufsfläche auf mich einen nicht sonderlich durchdachten, sondern irgendwie unaufgeräumt-chaotischen Eindruck. Da war imho kein roter Faden, dem man hätte folgen können; nichts, woran man sich hätte orientieren können.

Übrigens: Wer seine neue Bergsteigerausrüstung oder sonst einen Artikel vor dem Kauf gerne erst einmal kurz probetragen will, kann ihn sich in insgesamt drei Umkleidekabinen überstreifen. Allerdings sei darauf hingewiesen: Die meisten der (glaube, es waren insgesamt sechs) engen Kabinen befinden sich nicht etwa am Rande der Verkaufsfläche, sondern mittendrin. Jede löchrige Umkleide an einem gut besuchten Sandstrand an der französischen Riviera bietet da weitaus mehr Privatsphäre!

Auffällig: Decathlon scheint vor allem seine eigenen Marken unter die Leute bringen zu wollen. Zwar waren Produkte aus dem Sortiment der großen beliebten Marken Adidas, Nike, Puma und Asics ebenfalls vertreten, doch die Eigenmarken – allen voran Kalenji und Quechua, zwei Brands, von denen ich bis dahin noch nie gehört hatte – überwogen bei weitem. Was das angeht, erinnert mich Decathlon ein wenig an den Teleshopping-Anbieter Pearl-TV. Dessen Produktsortiment besteht bekanntlich ebenfalls zu großen Teilen aus Eigenmarken, die jeweils auf recht eigenwillig-kreative Namen hören. Keinesfalls erwarten sollte man übrigens neue Kollektionen und überhaupt neuere Produkte der namhaften Hersteller, – zumindest habe ich keine gefunden, die ich als solche betrachten würde. Bei Decathlon scheinen vor allem Freunde tendenziell eher „gut abgehangener Sportartikel“ auf ihre Kosten zu kommen.
Oh, bevor ich’s am Ende noch vergesse zu erwähnen: Die Filialleitung scheint btw einen ausgeprägten Sockenfetisch ihr Eigen zu nennen. Anders kann ich es mir jedenfalls nicht erklären, dass gefühlt in jeder Regalreihe mindestens ein Korb und/oder Fach mit dem folgenden Angebot aufgebaut war: 3 Paar Laufsocken für 1,99 Euro, wahlweise in Schwarz oder Weiss. Wer auf günstige Lockangebote aus ist, dürfte (zumindest aktuell noch) fündig werden: Neben besagten Socken wurden des Weiteren auch noch Wanderrücksäcke, Trainings-Hanteln, Laufschuhe, Caps und Plastiksonnenbrillen extrem günstig vertickt. Wir sind bei einem der Wanderrucksäcke, die man uns quasi hinterher geworfen hat, letzten Endes doch schwach geworden, erwarten uns allerdings nicht allzu viel. Sollte er den kommenden Sommer überleben, wären wir schon zufrieden!

Irgendwann hatten wir uns dann auch satt gesehen und steuerten dem Kassenbereich entgegen. Natürlich war auch dieser nicht eindeutig ausgeschildert, also machten wir uns grob in Richtung des Eingangs auf. Dort waren fünf (hoffentlich provisorische) kleine unscheinbare Kassenpulte aufgebaut, an denen jeweils ein mehr oder weniger motiviert dreinblickender Mitarbeiter stand. Alternativ gab es, dem Vorbild von IKEA folgend, mehrere Scan-Stationen („Schnellkasse“), an denen man sich seine Waren selber einscannen konnte. Auch hier sollte die Filialleitung vielleicht nochmal drüben bei OBI vorbeischauen und sich von ein, zwei handwerklich begabten Mitarbeitern nach Ladenschluss was passenderes zusammenzimmern lassen. So etwas als Kassenbereich zu deklarieren, beleidigt jedenfalls jeden anständigen Kassenbereich da draußen! ;)

Fazit: Irgendwann werde ich mich sicherlich nochmal in die Decathlon-Filiale in Köln-Marsdorf verirren. Allerdings bin ich Stand jetzt, kurz nach der mit viel medialem Tam-Tam über die Bühne gegangenen Eröffnung, meilenweit davon entfernt, in irgendeiner Art und Weise über die Maßen beeindruckt zu sein. Nope, das bin ich leider wirklich nicht!

— InaiMathi, am 26. März 2017
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