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InaiMathi Blog

DAZN: Warum mir das „Netflix für Sportfans“ vorerst gestohlen bleiben kann

So, nachdem ich mir nun eine gute Woche lang von DAZN.com, dem „Netflix für Sportfans“, einen Eindruck machen konnte, möchte ich ein paar Gedanken zu virtuellem Papier bringen. Und um es gleich vorneweg zu nehmen: Für die DAZN-Tribüne werde ich bis auf Weiteres kein Ticket lösen! Die Gründe…

Ja, doch: DAZN.com ist schon verdammt cool. Einfach das Portal DAZN.com ansteuern oder die hoffentlich bald auch für PlayStation 4 vorhandene DAZN-App anschmeißen und schon wird der geneigte Sport-Enthusiast bis zum Abwinken mit Livesport versorgt – oder zumindest mit Wiederholungen (aka Re-Lives) von eben diesem. Der Webplayer basiert dabei auf HTML5, so dass kein spezielles Browser-Plugin benötigt wird, um sich die Livestreams geben zu können. Die Konkurrenz von Sky Go hält bekanntlich nach wie vor an ihrem gnadenlos veralteten Microsoft Silverlight-Player fest, was imho schon ein unfassbar userunfreundliches Unding ist, aber hey, so ist das halt als Quasi-Monopolist! DAZN zeigt zahlreiche internationale Fußballligen live und größtenteils auch exklusiv. Die sehenswertesten dürften die englische Premier League, sowie die Ligen aus Spanien und Italien sein – von denen mich jedoch keine einzige wirklich interessiert. Zudem bekommen Abonnenten regelmäßig NFL Football, einige Partien der NBA, sowie Sportarten, die hierzulande lediglich ein Nischendasein fristen, serviert, darunter beispielsweise Tennis-Turniere, Rugby, Bowling und sogar groß aufgezogene Tierquälerei aka Pferderennen. Insgesamt versprechen die Macher „über 8.000 Live-Events pro Jahr“. Vor einer Woche war übrigens noch von mehr als 10.000 Live-Events pro Jahr die Rede. – Wo wohl überall der Rotstift angesetzt wurde?

Nun, vielleicht ja im Bereich Basketball? Ich, als großer NBA-Enthusiast, hatte mir jedenfalls große Hoffnungen gemacht, dass DAZN eine solide Alternative zum NBA League Pass werden könnte. Immerhin hat sich die britische Perform Group, das Mutterunternehmen hinter dem Streaming-Portal, Ende vergangenen Jahres sämtliche Übertragungsrechte an der Nordamerikanischen Basketball-Liga gesichert. Allerdings: Ausgewertet, sprich genutzt werden von DAZN lediglich einige Teilrechte des erworbenen Lizenzpakets. DAZN zeigt, wie auf Twitter auf Anfrage mehrerer User inzwischen bestätigt wurde, lediglich 250 NBA-Spiele pro Spielzeit live und als VoD. Darin sind offenbar die NBA Playoffs, die NBA Conference-Finals sowie die NBA Finals bereits inkludiert. Von der Regular-Season dürften somit, wenn überhaupt, lediglich rund 200 Partien auf DAZN übertragen werden, zudem jede Woche mindestens eine weitere Begegnung auf Spox.com. Gerüchte, wonach DAZN sämtliche Partien der Woche, also auch die nicht live übertragenen, zeitnah als VoD zum Abruf bereitstellt, damit Fans die Begegnungen wenigstens als Wiederholung schauen können, haben sich somit als nicht zutreffend entpuppt! Die Plattform ist Stand jetzt meilenweit davon entfernt, wirklich „alles“ zu zeigen!

Die monatliche Abogebühr in Höhe von 9,99 Euro hätte ich gerne und ohne mit der Wimper zu zucken geblecht, um wenigstens die Hälfte der Spiele meiner Utah Jazz live und/oder im Anschluss auch on Demand via Mediathek auf DAZN.com schauen zu können. Die Chance, dass eben dies auf DAZN.com möglich sein wird, dürfte jedoch angesichts der dann doch recht überschaubaren Anzahl der live übertragenen und im Anschluss zum Abruf bereit gestellten NBA-Partien sehr gering sein, denn erfahrungsgemäß stehen hierzulande andere NBA-Teams im Fokus als die Jazzmen aus Salt Lake City, Utah. Tja, und damit hätte ich eigentlich auch schon meinen Hauptgrund gefunden, warum ich meinen kostenlosen Probemonat nicht in ein reguläres Abo übergehen lassen, sondern stattdessen vorher meine Mitgliedschaft kündigen werde. DAZN bietet mir als die-hard Fan eines dieser Tage nicht sonderlich im Rampenlicht stehenden NBA-Franchise quasi keinen Mehrwert, weshalb ich auch während der NBA-Saison 2016/17 wohl nicht um den NBA League Pass herum kommen werde.

Der zweite Tiefschlag, der meine monatelange Vorfreude zügig in Enttäuschung hat umschlagen lassen, ist die Tatsache, dass – ebenfalls im krassen Gegensatz zu populären Gerüchten – auch die beiden WWE-Shows „Monday Night RAW“ und „SmackDown Live“ auf DAZN nicht übertragen werden – weder live, noch als Wiederholung! Was hatten sich einige Leute im Vorfeld mit angeblichen Exklusiv-Meldungen überschlagen: WWE live auf DAZN… ja ne, is‘ klar. Lächerlich habt Ihr euch gemacht, falsche Erwartungen habt Ihr mit Euren Clickbait-Headlines geschürt, sonst gar nichts!

Ein paar Worte zur Technik: Ich persönlich finde das Webportal DAZN.com recht unübersichtlich, sowohl was seine Gestaltung als auch seine grundlegende Struktur anbelangt. Klare Navigationsmöglichkeiten sind nicht vorhanden, das prominent platzierte Hamburger-Menü im Kopfbereich hätten sich die Macher im Grunde genommen auch sparen können, da man sich die einzelnen Verlinkungen zu den unterschiedlichen Sportrubriken (Fußball, Basketball, Football etcpp) überall auf der Seite zusammensuchen muss. Hier sollte dringend noch einmal nachgebessert werden! Nichts zu meckern gibt es hingegen an der gebotenen Qualität der Livestreams: Diese setzen, wie eingangs erwähnt, auf die Power von HTML5, laufen dementsprechend einwandfrei und kommen zudem in einer guten Bildqualität (720p) daher. Zu nervigem Gebuffere kam es in meiner Testphase nur in absoluten Ausnahmesituationen, beispielsweise während der Anfangsminuten viel genutzter Streams wie beispielsweise denen der Spiele der Premier League. Wiederholungen laden ein, zwei Sekunden (je nach Internetverbindung auch mal etwas länger) und laufen dann anstandslos durch. So muss das sein!

So gut ich die grundlegende Idee hinter DAZN.com als eine Art „Netflix für Sportfans“ auch finde: Der Streaming-Dienst hat für mich aktuell keinerlei Mehrwert und ist mit seinem Mix aus hochklassigen Fußball-, Football- und NBA-Rechten, sowie den zahlreichen schätzungsweise relativ billig eingekauften Nischensportarten vom Grabbeltisch Stand jetzt meilenweit davon entfernt, seinem großen Vorbild auch nur annähernd gerecht zu werden. Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass DAZN sich hierzulande am Markt etablieren wird, um sich dann in ein paar Jahren vielleicht sogar zu höherem aufschwingen zu können. Pay-TV Marktführer Sky Deutschland sollte, finde ich zumindest, schlicht und ergreifend nicht mehr länger nach Belieben schalten und walten können ohne dabei den heißen Atem der Konkurrenz im Nacken zu spüren. Wie sich sowohl das Sky-Sportprogramm als auch die monatlichen Abogebühren in den vergangenen Jahren entwickelt haben, nämlich krass gegensätzlich (für die Nicht-Abonnenten: immer weiter steigende Kosten für ein immer weiter zusammengestauchtes Programm), ist nicht mehr feierlich! Wie heißt es doch so schön: Konkurrenz belebt das Geschäft.

— InaiMathi, am 12. August 2016
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