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InaiMathi Blog

Das Haus - House of Leaves

Das Haus - House of Leaves - © Klett-Cotta-Verlag

Eine Geschichte über ein Haus, in dem die Grenze zwischen Realität und Wahnsinn allmählich zu verschwimmen droht, erzählt aus drei Perspektiven, gespickt mit schier endlosen Fußnoten und typographischen Elementen, die das Lesen mit der Zeit zu einem echten Abenteuer werden lassen. – Das klingt als Rechtfertigung für einen fast 800 Seiten dicken Wälzer ja schon mal nicht schlecht! Und so stand für mich schnell fest, dass ich mir Mark Z. Danielewskis Debütroman „Das Haus“ zulegen und mich durch die ausladend inszenierte Geschichte durcharbeiten würde. Und „durcharbeiten“ ist an dieser Stelle durchaus wörtlich zu nehmen; sich den Geschehnissen im namensgebenden Haus zu widmen, ist Arbeit pur und keinesfalls mit einer entspannten Wochenendlektüre vergleichbar…

Das Haus – House of Leaves
von Mark Z. Danielewski
2007, Horror, 797 Seiten
Klett-Cotta-Verlag

Der Autor
Mark Z. Danielewski wurde 1966 als Sohn des polnischen Filmregisseurs Tad Danielewski geboren. Mit seinem Debütroman „House of Leaves“, an dem er über zehn Jahre gearbeitet hat, schuf er das erste Kultbuch des 21. Jahrhunderts. Sein zweiter Roman, „Only Revolutions“, wurde für den National Book Award nominiert.

Buchtrailer

Klappentext
Nachdem Navidson bei einer ersten Erkundung dieser Räume fast den Rückweg nicht mehr findet, holt er Hilfe – ein Ingenieur und ein professioneller Höhlenforscher sollen die unermesslichen Räume im Hausinneren erforschen helfen. Und immer läuft die Kamera mit – und zeichnet auf, was über den Verstand aller Beteiligten geht und ganze Generationen von Filmkritikern und Kinogängern schaudern lassen wird. – Quelle

Der erste Satz

„Das hier ist nicht für euch.“

Kritik
„Das Haus“, es erschlägt den Leser förmlich! Und das in vielerlei Hinsicht: Da wäre zum einen das Buch selbst. Ich nenne die gewichtige, künstlerisch wirklich grandios gestaltete Hardcover-Variante mein Eigen, welche unter ihrem Schutzumschlag mit netten Details wie Polaroidfotos des Hauses sowie weiteren kleinen Details aufwartet, die dazu einladen, sich ihnen mal ein paar Minuten zu widmen. Das Buch macht – Klett-Cotta-typisch – einen sehr wertigen Eindruck und ist ein echter Blickfang im Regal! Was ebenfalls sofort ins Auge sticht, ist die Typographie des Buches: Der Text wurde in drei grundlegend verschiedenen Font-Typen gesetzt. Einer für jene Textpassagen, die von „Zampanò“ verfasst wurden, einer für Johnny Truants Anmerkungen sowie ein eigener Font für Hinweise und Ergänzungen durch die Herausgeber. Außerdem spielen die Macher immer mal wieder mit der Typo. So stehen teils ganze Absätze auf dem Kopf, sind in Spiegelschrift gesetzt oder müssen vom Leser nach einem bestimmten System dechiffriert werden, um aus ihnen schlau zu werden. Auf einigen Seiten befindet sich nur ein einziger Buchstabe, wieder andere wurden komplett leer gelassen. Wer nach dem Grund fragt: Keine Sorge, das alles ergibt, wenn man mit dem Lesen angefangen hat, durchaus Sinn!

Aber Moment: Zampanò? Johnny Truant? Die Herausgeber? – Worum geht es in „Das Haus“ denn überhaupt? Nun, Mark Z. Danielewskis Erstlingswerk ist im Grunde eine Abhandlung des fiktiven Navidson Reports. Dieser thematisiert auf knapp 600 Seiten in aller Ausführlichkeit die Geschehnisse, welche sich im Haus der Familie Navidson abgespielt haben, nachdem diese aus der Vorstadt in ihr neues Zuhause eingezogen waren. Zuerst wird man als Leser mit Belanglosigkeiten wie dem alltäglichen Leben der Familie Navidson konfrontiert, man lernt die einzelnen Familienmitglieder kennen; eine gewisse Vertrautheit stellt sich ein. Doch irgendwann bemerkt David Navidson, dass mit seinem neuen Haus etwas nicht zu stimmen scheint. Es tun sich Räume auf, wo eigentlich keine sein dürften, Gänge erscheinen wie aus dem Nichts, Ecken verschwinden. All das, was auf den Bauplänen des Gebäudes verzeichnet ist, wird ad absurdum geführt. Navidson beschließt daraufhin, sich mit den mysteriösen Vorkommnissen – gezwungenermaßen – näher auseinander zu setzen und macht sich auf, die unbekannten Gänge, Räume und düsteren Ecken seines Anwesens zu erkunden. Seine Erlebnisse hält er dabei mit einer Cam auf Video fest – und dabei wird auf erschreckende Weise deutlich, dass Navidson mit der Zeit nicht nur  an die Genzen seiner eigenen psychischen wie physischen Belastbarkeit stößt, sondern auch seinen Verstand verliert, während die verstörenden Geschehnisse im Haus immer weiter ihren Lauf nehmen.

Besagtes Video wurde Jahre später gefunden und bildet die Grundlage für den von einem gewissen Zampanò verfassten Navidson Report. Und nun wird es interessant: Während sich der anonyme Schreiber mit den Geschehnissen im Haus geradezu analytisch auseinandersetzt, bei quasi jeder sich bietenden Gelegenheit Fußnoten anlegt und auch sonst sehr gewissenhaft und detailliert zu Werke geht, wurde der Report von einem gewissen Johnny Truant im Nachhinein um zig Passagen ergänzt. Diese präsentieren sich dem Leser in einem grundlegend anderen Duktus, kommen allgemeinhin eher flapsig daher, schweifen gerne auch mal vom eigentlichen Thema ab, indem Johnny beispielsweise von ziemlich privaten Dingen wie seinen ausschweifenden Orgien mit Prostituierten erzählt, die nun wirklich nichts mit dem Haus und den Geschehnissen zu tun haben. Auch kommt es ab und an vor, dass er den Autoren scheinbar allwissend korrigiert, Dinge richtigstellt oder eben hier und da etwas ergänzt. Das Dumme ist nur: Als Leser weiß man nie so genau, wem man eher Trauen kann: dem analytisch-korrekten Zampanò oder doch eher dem zwielichtigen JT? Und überhaupt: Wer sind Zampanò und Truant eigentlich? Und wäre das alles nicht schon verwirrend genug, gibt es da auch noch die Herausgeber. Auch von diesen wurde der Navidson Report – und darüber hinaus auch Truants Anmerkungen ergänzt, kommentiert oder aber berichtigt. Das alles resultiert in einem Verwirrspiel allererster Güte, dessen Verlauf und Ausgang ich an dieser Stelle nicht mal ansatzweise teasern werde. Nur so viel: Gran-di-os! Wirklich!

Mir ging es so, dass ich mir für die Lektüre eine eigene „Zettelwirtschaft“ angelegt hatte, wo ich mir Details notiert habe, die mir dabei helfen konnten, den Navidson Report, Johnnys Hinweise, die Fußnoten und das, was die Herausgeber ihrerseits angemerkt haben, richtig einzuordnen und in Einklang zu bringen. Anders hätte ich ganz ehrlich irgendwann den Überblick verloren. Es ist unglaublich, was sich da mit der Zeit angesammelt hat! Das, was einem als Leser geboten wird, die Zusammenhänge sind einfach unfassbar komplex und verworren, – aber was soll ich sagen, mir hat „Das Haus“ trotzdem eine Menge Spaß gemacht! Man fühlt sich beim Lesen wie Fox Mulder, der über einer Akte zu einem ziemlich paranormalen Fall brütet und versucht, sich einen Reim auf all die unerklärlichen Geschehnisse zu machen. Das ist ungeheuer faszinierend, ungeheuer spannend, ungeheuer anspruchsvoll! Natürlich muss man so etwas mögen, „Das Haus“ ist ganz klar keine leichte Lektüre, die man an zwei, drei Sommernachmittagen auf der Terrasse mal eben so weg liest!

Was mich so ein bisschen gestört hat, wobei „gestört“ das falsche Wort ist, eher unterbewusst immer wieder „gehemmt“ hat weiterzulesen, sind die elendig langen Fußnoten. Und von denen gibt es wirklich viele, sehr viele! Ich würde behaupten, dass 1/8 der Buchs, also rund 100 Seiten, allein von Fußnoten und sonstigen Anmerkungen eingenommen wird. Und ja, ich empfand es teils einfach als ziemliche Belastung, mir seitenlange Anmerkungen zu einer Bestimmten Aussage durchlesen zu müssen, weil sich in ihnen ja vielleicht ein wichtiges Puzzleteil zur Lösung des großen Ganzen verbergen könnte, – was auch oft der Fall war! Ok, man muss diese Fußnoten nicht zwingend lesen um mit der Handlung grundlegenderweise voran zu kommen, nur helfen sie einem bei der Einordnung der Geschehnisse einfach enorm weiter. Geradezu verwirrend (auf eine witzige Art) wird es, wenn Zampanòs im Rahmen des Navidson Reports dargelegte Fakten durch Fußnoten belegt werden, diese wiederum von Johnny Truant als unwahr abgestempelt werden (natürlich ebenfalls mittels Fußnoten belegt) und dies dann von der dritten Partei, den Herausgebern, durch deren ganz eigene Sicht der Dinge ergänzt wird.

Während der Lektüre baute sich – jedenfalls bei mir – eine ziemlich merkwürdige Stimmung auf, die nur schwer zu beschreiben ist. Dem Umstand geschuldet, dass man das Buch quasi wie eine Akte vor sich liegen hat, selber Fakten zusammenträgt, sich immer wieder Notizen macht und dabei stets mit den Geschehnissen im Haus konfrontiert wird, die sich sowohl skuril als auch zutiefst umheimlich gestalten, schafft Danielewski es, dass das Haus einen mit der Zeit richtiggehend „gefangen nimmt“. Das Beschriebene wirkt einfach unheimlich „echt“. Und genau deshalb steigert man sich immer weiter rein, will aller Langatmigkeit zum Trotz wissen, wie es weiter geht, will herausfinden, was mit Navidson und seiner Familie passiert ist, wer die beiden Gestalten Zampanò und Truant wirklich sind und natürlich: wie sich die höchst mysteriösen Vorkommnisse im Haus erklären lassen! Es ist eine sehr spezielle Art der Angst, die sich dabei im Hirn breit macht; sehr zurückhaltend, eher unterschwellig – und doch würde ich behaupten, dass ich selten zuvor bei einem Buch solch intensiven Horror erlebt habe. Klingt komisch, ist aber so!

Fazit
Mark Z. Danielewskis „Das Haus – House of Leaves“ ist trocken, langatmig, extremst anspruchsvoll zu lesen und ein Sammelsorium von Fußnoten (Gruß an Karl-Theodor!), Anmerkungen und Hinweisen aller Art, die teils ausschweifender nicht hätten ausfallen können. Man könnte auch Arbeit dazu sagen. Doch: „Das Haus“ ist gleichzeitig auch einzigartig spannend inszenierte Literatur, die es geschafft hat, mich mit ihrer ja beinahe charmant-erschlagenden, detailverliebten Komplexität in ihren Bann zu ziehen! – Wer mit subtilem, jedoch nicht minder einschlagendem Horror und Danielewskis brillantem wie ungewöhnlichem Stil etwas anfangen kann, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren!

— InaiMathi, am 2. August 2011

Das Haus - House of Leaves

Genre: Horror
Veröffentlichung: 2007
Umfang: 797 Seiten
Autor: Mark. Z. Danielewski
Verlag: Klett-Cotta-Verlag
Wertung
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