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InaiMathi Blog

Assetto Corsa @ PS4: 10 Basic-Features, die dringend nachgepatcht werden sollten

„Assetto Corsa“ ist, wie ich in meiner unlängst hier im Blog veröffentlichten Review der PS4-Version geschrieben habe, eine sehr realistische Simulation des Motorsports – zumindest irgendwo tief drinnen, wenn man über die zahlreichen kleineren wie größeren Unzulänglichkeiten und fehlenden Features hinweg sehen kann. Wer sich angesichts des im Vorfeld des Releases grassierenden Hypes ein liebevoll gepolishtes AAA-Erlebnis vom Schlage eines „Forza Motorsport“, „Gran Turismo“ oder „Project CARS“ – um an dieser Stelle auch eine waschechte Sim aufzuführen – erwartet hat, dürfte ziemlich desillusioniert sein. Fahrphysik und Soundkulisse von „Assetto Corsa“ sind top-notch, der ganze Rest eher nicht so sehr.

Von dem verantwortlichen Entwicklerstudio Kunos Simulazioni erwarte ich, dass da in den kommenden Wochen (und Monaten) konsequent nachgebessert wird. Es ist vollkommen inakzeptabel, 49 Euro für eine – wenn überhaupt – bessere Alphaversion zu verlangen, der es teils an Features und grundlegenden Funktionalitäten mangelt, die bei anderen Titeln – und seien diese noch so sehr in der berühmt-berüchtigten Nische angesiedelt – zum Standard gehören.

Wie ich im Rahmen meines Tests bereits geschrieben habe, kann ich zum Beispiel absolut nicht nachvollziehen, dass eine Renn-Simulation wie „Assetto Corsa“ im Jahr 2016 a.D. ohne Leaderboard-Funktionalität auf den Markt geworfen wird. Im Hotlap-Modus sowie beim Zeitfahren (die Unterschiede zwischen beiden Modi sind btw fließend) ist es weder möglich, seine eigenen Bestzeiten nachzuvollziehen, noch die seiner Freunde und Bekannten. Nicht einmal Rundenzeiten-Protokolle wurden implementiert, von Top-1000 Bestenlisten für Strecken/Wagen ganz zu schweigen. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Stand jetzt muss ich mir meine eigenen Streckenbestzeiten auf einem Zettel (oder anderswo) notieren! Für mich als ausgewiesenen Hotlap-Enthusiasten ist das einfach nur unfassbar. Wie kann es sein, dass so etwas veröffentlicht wird?

Der Karrieremodus von „Assetto Corsa“ kann indes allenfalls ein belangloses Treppenwitzchen beschrieben werden, von den von den Entwicklern vorgegebenen Special-Events, die allesamt so austauschbar sind wie die Gags von Barths Mario, will ich gar nicht erst anfangen. „Assetto Corsa“ ist Stand jetzt, und ich beziehe mich hier auf die Version 1.7.1, also die PS4-Verkaufsversion mit aufgespieltem Day-1-Patch, eine seelenlose, leere Hülle dessen was mal sein soll, aber eben noch nicht ist. Nicht mal ansatzweise!

Das Team von Kunos Simulazioni muss sich fragen lassen, wo denn bitte allergrundlegendeste Features abgeblieben sind wie beispielsweise…

  • Leaderboards für Hotlaps und Zeitfahren
  • Telemetrie zwecks Feintuning seiner Setups
  • die Möglichkeit, sich komplette Rennwiederholungen anzuschauen
  • private Online-Lobbies für professionelles League-Racing
  • Einführungs- und Auslaufrunden
  • dynamisches Wetter samt Regenrennen
  • dynamischer Tag/Nacht-Wechsel
  • Custom Button-Mapping
  • Konfigurationsmöglichkeiten für das Interface
  • Anzeige für Reifen-Temperatur und -Verschleiß

…um nur die Spitze des Eisbergs anzukratzen. Sämtliche 10+ aufgeführten Features, die größtenteils eigentlich zum Standard einer jeden Renn-Simulation zählen sollten, und bei der PC-Version von „Assetto Corsa“ von der engagierten Modding-Community nachgereicht wurden, gehören schnellstmöglich nachgepatcht! Sonst dürfte der Sim ein zügiger Konsolen-Tod drohen, was nicht unbedingt im Interesse von Entwickler Kunos Simulazioni und Publisher 505 Games sein dürfte.

Zudem gilt es, die folgenden Bugs zu beheben. Bei diesen fragt man sich ebenfalls, wie es sein kann, dass diese es in die Verkaufsversion geschafft haben…

  • anhaltendes Screen-Tearing
  • 10 Sekunden ingame = 11 Sekunden im RL
  • Strecken-Grip steht dauerhaft bei 100 Prozent
  • div. Kameraeinstellungen von Karosserieteilen verdeckt
  • Interface-Font auf großen TV-Displays ausgefranst

Im offiziellen Supportforum ist derweil die sprichwörtliche Kacke am dampfen. Die anfängliche Euphorie ist bei nicht wenigen Käufern inzwischen blankem Frust und Unverständnis gewichen. Unverständnis darüber, wie es sein kann, dass ein renommiertes Studio wie Kunos Simulazioni, das nach eigenem Anspruch nach Perfektion strebt, sein „Baby“ in einem derart unfertigen Zustand zum Vollpreis in den Laden stellt. Von der Dreistigkeit, schon am ersten Verkaufstag einen Seasonpass für sagenhafte 29,99 Euro anzubieten, für den aktuell allerdings noch keinerlei herunterladbare Inhalte vorliegen (z.B. das von mir sehnlichst erwartete „Red Pack“-DLC, welches für die PC-Version von „Assetto Corsa“ schon seit Mitte Juni erhältlich ist), ganz zu schweigen. Ein Geschäftsgebaren getreu dem Motto: Hauptsache das Geld kommt schon mal rein, geliefert wird später.

Hat schon ein ziemliches Gschmäckle, wie ich finde.

— InaiMathi, am 27. August 2016
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