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InaiMathi Blog

Assassin's Creed: Chronicles

Assassin's Creed: Chronicles - © Ubisoft

Ich weiß nicht was genau der Grund ist, dass ich mich für die „Assassin’s Creed“-Reihe, die von Millionen Spielern weltweit als etwas ganz Besonderes gefeiert und mit Awards überhäuft wurde und nach wie vor wird, nicht sonderlich begeistern kann. Um genau zu sein, habe ich nach Beendigung des ersten Teils aufgehört, mich für die Abenteuer der Assassinen zu interessieren. Vielleicht liegt’s am alles in allem recht austauschbaren Gameplay, das sich seit dem ersten Teil, der immerhin schon gut und gerne acht Jahre auf dem Buckel hat, nicht sonderlich weiter entwickelt hat? Oder an den Settings, die mit u.a. Arabien, Italien, Vereinigte Staaten, Karibik, Frankreich und zuletzt London nicht klischeehafter nicht hätten ausfallen können?

Auf jeden Fall hat mein „Assassin’s Creed“-Boykott des Franchise unlängst ein Ende gefunden. Im PlayStation Store gab es neulich mal wieder einen PlayStation Plus-Sale in dessen Rahmen ich mir für ’ne schmale Münze „Assassin’s Creed: Chronicles“ zugelegt habe. Diese umfasst mit „AC Chronicles: China“, „AC Chronicles: India“ und last but not least „AC Chronicles: Russia“ insgesamt drei Jump’n’Runs im „Assassin’s Creed“-Universum. Ursprünglich von Climax Studios für Sonys PlayStation Vita entwickelt, haben die drei Titel inzwischen also auch ihren Weg auf die große Konsole geschafft.

Ob die „Assassin’s Creed: Chronicles“ was taugen oder Ubisoft sich besser wieder um eine full-blown Fortsetzung der Reihe konzentrieren sollte, klärt meine kompakte Review zur PS4-Version.

Assassin’s Creed: Chronicles
2016, Jump’n’Run, PlayStation 4
Climax Studios / Ubisoft
www.AssassinsCreed.com

Spieletrailer

Beschreibung
„Mit ‚Assassin’s Creed: Chronicles‘ werden die Spieler zu drei verschiedenen Zivilisationen in verschiedenen historischen Epochen reisen, einschließlich der Ming-Dynastie zu Beginn ihres Niedergangs, des Reichs der Sikhin den Vorbereitungen für einen Krieg in Indien sowie der Folgezeit der Oktoberrevolution. ‚Assassin’s Creed: Chronicles‘ wurde für Meister der List entworfen, die die Leidenschaft teilen, Geschichte in Videospielen neuzuschreiben und lässt die Spieler in die Rollen von Shao Jun, Arbaaz Mir und Nikola Orelovin einer 2.5D Neuauflage des ‚Assassin’s Creed‘-Universums schlüpfen. Die Spieler werden in einer Kollektion von atemberaubenden lebhaften Bildern aus dem Schatten heraus meucheln, die Kunst des Parkourmeistern und den Todessprung antreten.“ – Quelle

Kritik
„Assassin’s Creed: Chronicles“ ist eine Sammlung von insgesamt drei einzelnen „Assassin’s Creed“-Videospielen, die ursprünglich für Sonys PlayStation Vita entwickelt wurden. Die Sammlung umfasst „Assassin’s Creed Chronicles: China“, „Assassin’s Creed Chronicles: India“ sowie „Assassin’s Creed Chronicles: Russia“. Jeder Teil der Trilogy erzählt eine eigene für sich stehende Geschichte, die jedoch, wie man das von den „Assassin’s Creed“-Videospielen für Konsole gewohnt ist, einem übergreifenden roten Faden folgen.

Der Spieler schlüpft im Verlauf des Abenteuers in die Rollen dreier Assassinen, die grundverschiedener nicht sein könnten: Zum einen wäre da die junge Shao Jun, die im China der untergehenden Ming-Dynastie die angekratzte Ehre ihres Assassinen-Bruderschaft wiederherstellen muss, im kriegslüsternen Indien ist es Arbaaz Mir, dessen Geschicke man lenkt, und zu guter letzt wäre da noch der grimmige Nikola Orelovin zu nennen, dessen Geschichte im noch in den Nachwehen der Oktoberrevolution befindlichen Russischen Zaren-Reich erzählt wird. Klingt ja angesichts der Szenarien wirklich ansprechend, nur sei von vornherein gesagt: Nein, eine epochale Geschichte mit ausgearbeiteten Charakteren und zig Wendungen, wie man das von den großen Konsolen-Releases gewohnt ist, sollte man von „Assassin’s Creed: Chronicles“ nicht erwarten. Damit kann der Titel nicht mal im Ansatz aufwarten, was wohl auch an der PS Vita als einstiger primärer Release-Plattform liegen dürfte. Der in Form von mit Text unterlegten, lediglich rudimentär animierten Zwischensequenzen weitergesponnene Plott dient vielmehr als Ansporn, die rund 10 Stunden in Anspruch nehmende Geschichte überhaupt erst in Angriff zu nehmen. Eine aufwendige Synchronisation hat sich Publisher Ubisoft indes komplett gespart, lediglich die Bildschirmtexte wurden lokalisiert.

Die-hard Fans, die tatsächlich mehr über die Welt von „Assassin’s Creed: Chronicles“ erfahren möchten als die Zwischensequenzen ihnen offenbaren, können auf Wunsch einen Blick in die allwissende Animus-Datenbank werfen. Diese hält jederzeit abrufbar sämtliche Informationen zu bereits besuchten Örtlichkeiten, interessanten Personen, Feinden, Gegenständen und Schätzen bereit.

Im Fokus der „Assassin’s Creed“-Reihe steht seit jeher das idealerweise unbemerkte Eliminieren einer Zielperson, die in der Regel nicht auf dem Silbertablett serviert wird. Dies ist auch im Fall von „Assassin’s Creed: Chronicles“ nicht anders. Die seitwärts scrollenden 2,5D-Levels, die jeweils in mehrere einzelne Abschnitte unterteilt sind, können mit einer beachtlichen Vertikalität sowie darüber hinaus mit einer gewissen räumliche Tiefe aufwarten, die sogar spielerischen Sinn macht. Der Charakter kann an geeigneten Stellen nach eigenem Gusto zwischen vorder- und Hintergrund hin und her wechseln. Das Leveldesign ist zu den jeweiligen Szenarien passend, abwechslungsreich und alles in allem gelungen. So gelungen, dass ich mir insbesondere das alte China als potenzielles Setting für ein full-blown „Assassin’s Creed“-Sequel vorstellen könnte. Die Levels und ihr Design laden zum ausgiebigen Rennen, wagemutigen Springen und akrobatischen Hangel- und Kletterpartien ein, ganz so wie man dies von den großen „Assassin’s Creed“-Videospielen gewohnt ist. Selbst ikonische Features wie zum Beispiel die Synchronisierung der näheren Umgebung (ermöglicht das Einblenden einer detaillierten Levelkarte) sowie die Todessprünge in in der Gegend herumstehende Heuwägen (stehen symbolisch für Levelgrenzen) haben es ins Spiel geschafft!

Innerhalb der einzelnen Levels bekommt man es, ganz egal mit welchem Assassinen, respektive in welchem Teil der Trilogie man unterwegs ist, ob nun in China, Indien oder Russland, mit haufenweise gegnerischen Schergen zu tun. Gerät man in ihren Sichtkegel, welcher dankenswerterweise permanent angezeigt wird, werden sie in gewohnter Steath-Genre-Manier erst misstrauisch, um daraufhin zu realisieren, dass da etwas nicht stimmen kann, was sie schließlich zum Angriff übergehen lässt – zumindest, wenn man sich nicht vorher in sichere Gefilde zurückgezogen haben oder selbst zum Angriff übergegangen sein sollte.
Das Kampfsystem von „Assassin’s Creed: Chronicles“ folgt dem gewohnten „AC“-Schema: Leichte und schwere Angriffe wechseln sich mit idealerweise perfekt zu timenden Kontern und der ein oder anderen Spezial-Attacke ab. Mal hat man es mit einfacher Infanterie zu tun, mal mit Feinden, die einen schon aus großer Entfernung entdecken und aufs Korn nehmen können, ein anderes mal mit Spezialeinheiten, die bei Bedarf Verstärkung herbeirufen sowie Tarnungen und Verstecke auffliegen lassen können. Die Kämpfe gehen dabei gut von der Hand und machen eine Zeit lang durchaus Spaß, da stets eine auf die jeweilige Gegnerart abgestimmte Herangehensweise und Taktik vonnöten ist, um erfolgreich zu sein. Bekommt man es mit einer Vielzahl unterschiedlicher Feinde auf engstem Raum zu tun, kann das schon mal ganz schön herausfordernd sein – und blutig enden. Da Wachen nicht imstande sind Leitern zu benutzen, können sie nicht zwischen einzelnen Level-Ebenen hin und her wechseln, was sie berechenbarer macht.

In welcher Manier man sich seinen Feinden annimmt, ob man sie nun meidet, indem man sie etwa umschleicht, auf leisen Sohlen mit in dem Rücken gestoßenen Dolch oder frontal mit gezückten Assassinen-Klingen, macht spielerisch so gut wie keinen Unterschied. Die Art und Weise beeinflusst lediglich den am Ende eines jeden Abschnitts errechnete Bewertung: je leiser und unauffälliger der Assassine sein Levelziel erreicht – und darüber hinaus vielleicht noch die ein oder andere Nebenmission absolviert (z.B. versteckte Folianten finden, Gefangene befreien oder Sabotagen begehen) -, desto besser die Note in der Endabrechnung. Zudem sollten die einzelnen Levelabschnitte stets nach sammelbaren Gegenständen und frischer Munition abgesucht werden, denn auch diese wirken sich positiv auf die Bewertung aus. Aufgestellte Highscores werden online hinterlegt und können somit mit denen von Freunden und Bekannten verglichen werden, so dass nach dem Abschluss der Geschichte ein gewisser Wiederspielwert gegeben ist.

Schade: Ein ordentliches Skill-System hat es leider nicht ins Spiel geschafft. Zwar bekommen alle drei Protagonisten mit voranschreitender Geschichte peu á peu neue Ausrüstungsgegenstände und nicht zuletzt neue oder zumindest verbesserte Waffen zugesteckt, jedoch werden diese in der Regel automatisch, beziehungsweise abhängig von der erbrachten spielerischen Leistung freigeschaltet. Eine individuelle, auf den eigenen Vorlieben aufbauende Entwicklung des Charakters ist nicht möglich.

Der spielerische Fortschritt wird indes an größtenteils fair gesetzten Checkpoints gespeichert. Das manuelle Anlegen von einzelnen Speicherständen ist nicht möglich.

Technisch gesehen ist „Assassin’s Creed: Chronicles“ ein zweischneidiges Schwert: Auf der einen Seite ist die Grafik in Comic-Optik ansehnlich und für einen Sidescroller alles in allem passend. Auf der anderen Seite jedoch wäre so viel mehr möglich gewesen. Man schaue sich nur einmal die vielfach prämierte „Trine“-Reihe an, um zu sehen wie Jump’n’Runs dieser Tage ausschauen können, nein, sollten. Natürlich handelt es sich bei „AC: Chronicles“ um einen hochskalierten Handheld-Port, allerdings ist es in Zeiten von 4K-Gaming schlichtweg unprofessionell, so etwas ohne größere grafische Verbesserungen als Konsolenversion in den Handel zu stellen.
Auch hinsichtlich der Soundkulisse haben sich die Macher nicht sonderlich mit Ruhm bekleckert: Die Musikuntermalung kommt klischeebeladen daher. Auch die englische Sprachausgabe ist allenfalls Durchschnitt, zumal sich die teils doch recht witzigen, in der jeweiligen Landessprache zum Besten gegebenen Phrasen der in den Levels patroullierenden Feinde á la „Hast Du was gesehen? – Nein, du? – Nein, auch nicht. – Weiter die Augen offen halten!“ bereits sehr schnell wiederholen. Eine deutsche Synchro hat man sich zudem wie eingangs erwähnt komplett gespart.

Bug-Alarm: „Assassin’s Creed: Chronicles“ kann bereits mit zirka 3,5GB geladenen Spieledaten gezockt werden. Allerdings sieht man sich dann mit einem recht üblen Bug konfrontiert: Segnet ein Assassine das Zeitliche, so wird nicht etwa, wie man erwarten würde, der letzte Checkpoint neu geladen. Stattdessen friert das Spiel komplett ein, es muss also über das Dashboard beendet und neu gestartet werden.

Pro
+ Assassin’s Creed-Feeling gut eingefangen
+ stimmige Settings & Locations
+ gelungene Kämpfe
+ ansehnlicher Comic-Stil…
Contra
– auf Dauer kaum spielerischer Anspruch
– wenig Abwechslung
– platte Handlung
– kein Skilling
– …Grafik jedoch nicht mehr zeitgemäß
– nur englische Sprachausgabe

Fazit
Ich hätte mich, wie sagt man so schön, in den Allerwertesten gewissen, hätte „Assassin’s Creed: Chronicles“ als Vollpreistitel seinen Weg in meine Videospielsammlung gefunden. Warum? Nun, der Titel ist von vorne bis hinten Mittelmaß. Vielleicht hätte man ihn lieber das bleiben lassen sollen, was er ist, nämlich ein netter Zeitvertreib auf Sonys PS Vita-Handheld, anstatt ihn auf Teufel komm raus auf PlayStation 4 und Xbox One zu porten. Dieser Schritt war für „AC: Chronicles“ leider ein wenig zu groß.

„Assassin’s Creed: Chronicles“ ist ein uninspirierter Konsolen-Port, an dem nur lediglich die-hard Fans des Franchise ihre Freude haben dürften.

— InaiMathi, am 5. November 2016

Assassin's Creed: Chronicles

Genre: Jump'n'Run
Release: 9. Februar 2016
Plattform: PlayStation 4
Spielzeit: 10 Stunden
Entwicklerstudio: Climax Studios
Publisher: Ubisoft
Wertung
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